Das neue 10″ Retina Cinema Display

Ich finde die aktuelle Entwicklung rund um 4k-Monitore sehr spannend. Mit den Retina-MacBooks geht Apple dieses Thema ja von einer anderen Seite als Windows an, wo man erst einmal vor einer Riesenauflösung mit winzigen Schriften sitzt, um dann alles verstellen zu müssen, so dass am Ende Fenster und Dialoge nicht wirklich gut aussehen. Oder man hat ein 37″-Monster auf dem Tisch, das wegen der vielen Kopfbewegungen sicher den Verspannungen entgegenwirken mag, aber auch nicht wirklich zum Arbeiten einlädt. Trotzdem: Retina auf einem MacBook ist für mich noch noch der Weisheit letzter Schluss, weil man durch die höhere Auflösung ja noch nicht unbedingt mehr Fensterplatz gewinnt (wenn man nicht auf eine der ungeraden interpolierten Auflösungen ausweicht). Richtig cool wird das ganze, wenn es 27″-LED-Schirme mit 5120x2880er Auflösungen gibt, das gäbe dann wieder die nominale Größe von 2560×1140 Fensterplatz. Das sind leider aber noch viel mehr Pixel als 4k, und so werde ich wohl noch warten müssen, bis ich meine großen Monitore upgrade.

(Update: Seit September 2014 hat Apple tatsächlich so ein Display im Angebot – im neuen iMac mit Retina-Display. Bloß als reiner Bildschirm ist es noch nicht verfügbar.)

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Aber hier soll es ja nicht um die Post-4k-Generation gehen, sondern darum, wie ich mir gestern einen kleinen Retina-Monitor gebaut habe. Was man nämlich heute bereits bekommt, sind TFT-Panels in 10″-Größe mit 1920×1200 Pixeln Auflösung. Das ist genau das, was das alte Alu-Cinema-Display mit 23″ konnte. Diese Displays stammen gewöhnlich aus der Tablet-Fertigung und sind sehr flach – und sie werden gewöhnlich über ebay aus Hongkong geliefert. Meins trug den Absendernamen „All That Unit B on the 10th Floor on Jumbo Industrial Building“, und wer einmal in Hongkong in einem dieser Elektronik-Einkaufshäuser war, kann sich jetzt bereits vorstellen, wie es beim Versender so aussieht. Für alle anderen: Das sind vielstöckige Gebäude, in denen pro Stockwerk mehrere Händler ihre Waren in kleinen Parzellen mit 10-15 Quadratmeter Platz anbieten. Einkaufshölle pur und ein Paradies für Bastler. Es gibt viele solcher Anbieter auf ebay, mein bevorzugter heißt „chinatobby“, weil sie einen guten Service machen und auch bei auftretenden Fragen helfen.

Bei denselben Anbietern erhält man auch die Ansteuerelektronik, die wohl eher für industrielle und automobile Zwecke gedacht ist, da sie für Tablets definitiv zu groß ist. Sie beinhaltet drei Platinen für die eigentliche Panel-Steuerung, die LED-Helligkeitssteuerung und die Schalter zur Menübedienung. Die Hauptplatine enthält die unterschiedlichsten Eingänge: HDMI, VGA und 2xComposite Video und natürlich einen 12V-Stromstecker. Über HDMI kann man nun das ganze am Mac anschließen. Dort stellt man die gewünschte Auflösung (per SwitchResX) auf „960×600 (HiDPI)“, und schwupp, hat man auf dem Tisch eine Reihe von Komponenten liegen, deren Kabel gegenseitig aneinander zerren – und ein brillantes, gestochen scharfes 10″-Bild, wie man es vom iPad her kennt.

Der Bau des Gehäuses ist nun ein rein nationales Projekt, weil der Baumarkt meines Vertrauens alle Komponenten vorrätig hatte: Polystyrol-Bastelplatten und -Profile, metallene- und matte Transparent- Klebefolie, dazu Klebstoff und ein paar Teile aus meiner Bastelkiste. Denn der neue Monitor sollte optisch wenigstens einigermaßen zu den beiden Alu-Cinema-Displays passen, die meinen Tisch jetzt schon bevölkern. Und so entstand aus Kunststoff und Klebefolie das, was unten auf den Bildern zu sehen ist. Der Fuß entstammt einem iPad-Ständer, den man für knappe 15 Euro kaufen kann, er ist tatsächlich aus Aluminium.

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Ich habe zwei Vergleichsbilder gemacht: eins vom HiDPI-Mini-Monitor und dann eins in derselben Größe (also in Zentimetern gemessen) auf dem 30″-ACD. Man erkennt sofort, welches Bild woher stammt – während auf dem ACD schon einzelne Bildpunkte erkennbar sind, zeigt der kleine Monitor ein gestochen scharfes Foto. Ich nutze ihn übrigens als Mail-Monitor, während die beiden großen Schirme (30″ und 23″) frei sind fürs Programmieren und Dokumente. Alle drei hängen am Mac mini – der kleine nutzt dazu einen Display-Link per USB3. Durch USB3 merkt man heute praktisch keinen Unterschied in der Geschwindigkeit mehr zwischen echter Grafikkarte und USB-Grafikkarte.

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Ein Kommentar zu Das neue 10″ Retina Cinema Display

  1. Das ist wirklich toll! Viel Spaß beim Basteln. 😉

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