{"id":1896,"date":"2012-11-28T10:43:17","date_gmt":"2012-11-28T08:43:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=1896"},"modified":"2018-05-14T09:04:31","modified_gmt":"2018-05-14T08:04:31","slug":"wen-interessiert-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=1896","title":{"rendered":"Wen interessiert es?"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>Am vergangenen Dienstag (27.11.2012) hat google eine <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2012\/google-startet-kampagne-gegen-das-leistungsschutzrecht\/\">Kampagne<\/a> gegen das geplante deutsche Leistungsschutzrecht f\u00fcr Zeitungsverleger gestartet. Die Reaktionen waren schnell und eindeutig: praktisch jede Nachrichtenseite (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/google-kampagne-gegen-leistungsschutzrecht-google-ist-nicht-das-netz-a-869510.html\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/kampagne-gegen-leistungsschutzrecht-googles-scheinheiliger-kampf-1.1534914\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/google454.html\">hier<\/a>, &#8230;) schreibt, wie wichtig dieses neue Recht sei, dass\u00a0\u00a0 au\u00dfer google und ein paar anderen Suchmaschinen sowieso niemand davon betroffen sein wird und google sowieso scheinheilig sei, weil man dort nicht das Internet, sondern nur das eigene Gesch\u00e4ftsmodell absichern wolle.<\/p>\n<p>Kaum jemand versteht das sperrige Leistungsschutzrecht, daher ist das Interesse in der \u00d6ffentlichkeit gering. Vordergr\u00fcndig ist es ein Gesetz, das Verlagen erlaubt, die Verwendung kleinster Textschnipsel kostenpflichtig zu lizenzieren. Die Verlage wollen das, weil heute google billige Anzeigen neben diesen kleinen, bisher unbezahlten Textschnipseln verkauft &#8211; fr\u00fcher verkauften die Verlage teure gedruckte Anzeigen neben teuren gedruckten Inhalten.<\/p>\n<p>Problematisch ist nun, dass ein Gesetz gegen google allein rechtlich nicht durchsetzbar ist &#8211; also schuf man einen Vorschlag, der kommerzielle von nicht kommerziellen Verwertungen trennt. Zuk\u00fcnftig soll jeder zahlen, der Textausschnitte zitiert, sofern er damit Geld verdient. Das trifft nicht nur google, sondern alle, die ihre Webseiten mit Werbung refinanzieren &#8211; das sind beispielsweise auch alle gro\u00dfen Blogs und sogar die Zeitungsverleger selbst. Die Macher des Gesetzes und die Presse-Lobbyisten haben zwar erkl\u00e4rt, die Blogger <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/leistungsschutzrecht-was-das-gesetz-bedeutet-a-839094.html\">von sich aus nicht zu belangen<\/a>, aber Gesetz ist Gesetz, und Abmahnanw\u00e4lte w\u00e4ren dumm, wenn sie diese Chance nicht ergreifen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Um dem Gesetz nun zuk\u00fcnftig Folge zu leisten, m\u00fcsste google mit allen betroffenen Verlagen Einzelvertr\u00e4ge abschlie\u00dfen &#8211; das Gesetz sieht keine Verwertungsgesellschaft wie die GEMA vor. Jeder andere Verwerter von Schnipseln m\u00fcsste ebenfalls Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen. Wer das f\u00fcr praktikabel h\u00e4lt, glaubt auch an den Klapperstorch und Grimms M\u00e4rchen, wenn nicht gar an schlimmeres.<\/p>\n<p>Hier tobt ein Kampf zwischen den Schnipselnutzern und den Schnipselerzeugern, das ist klar. Es geht google ums Gesch\u00e4ft, aber auch den Verlagen. <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/google454.html\">Oliver Neuroth auf tagesschau.de<\/a> erkl\u00e4rt das so: &#8222;<em>Der Urheber eines Zeitungsartikels hat mehr als das Honorar seiner  Redaktion verdient, wenn sein Text nicht nur auf ihrer Seite erscheint,  sondern hundert- oder tausendfach im Netz kommerziell gestreut wird<\/em>.&#8220; Er verschweigt aber ebenso wie seine Kollegen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/google-kampagne-gegen-leistungsschutzrecht-google-ist-nicht-das-netz-a-869510.html\">Lischka (Spiegel Online) <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/kampagne-gegen-leistungsschutzrecht-googles-scheinheiliger-kampf-1.1534914\">Prantl (S\u00fcdddeutsche)<\/a>, dass die Zeitungen dem google-Treiben schon heute ein Ende setzen k\u00f6nnten, indem sie ihre Webseiten entsprechend ausr\u00fcsten. Ein passender Eintrag in ihre <a href=\"http:\/\/www.robotstxt.org\/\">robots.txt-Datei<\/a>, und schon l\u00e4sst die automatische Suche von google ihre Inhalte ruhen.<\/p>\n<p>Die Verlage wollen aber gar nicht in Ruhe gelassen werden &#8211; sie wollen gefunden und gelesen werden, und sie wollen Geld daf\u00fcr. Und da google offenbar ein derzeit funktionierendes Gesch\u00e4ftsmodell besitzt, wollen sie sich dort einklinken. Die Kollateralsch\u00e4den in der deutschen Blogkultur werden dabei hingenommen &#8211; das sind eh nur M\u00f6chtegern-Konkurrenten, die man auf diese Weise billig entsorgt.<\/p>\n<p>Die Kommentatoren vergessen zudem zu erkl\u00e4ren, dass nicht der Autor eines Artikels Nutznie\u00dfer der Einnahmen aus dem Leistungsschutzrecht ist, sondern die Verlage selbst. Kein Redeakteur bekommt durch das neue Gesetz auch nur einen Cent aus diesem Topf, blo\u00df weil ein Schnipsel seines Artikels bei google gelistet wird.<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser, seien Sie gewarnt! Die Presse nimmt in diesem Krieg ihre Kontrollfunktion als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vierte_Gewalt\">Vierte Gewalt im Staat <\/a>ebenso wenig wahr, wie google der Verteidiger des freien Internets ist. Sie sind daher auf sich selbst gestellt &#8211; Sie werden kaum einen neutralen Artikel zu diesem Thema finden.<\/p>\n<p>Ich habe mir meine Meinung gebildet: das Leistungsschutzrecht ist <a href=\"http:\/\/leistungsschutzrecht.info\/stimmen-zum-lsr\/audio-video-grafik\/elektrischer-reporter-zum-leistungsschutzrecht\">perfekte Lobbyarbeit<\/a> &#8211; aber es ist auch ein verzweifelter Versuch, alte Gesch\u00e4ftsmodelle zu konservieren. Wenn Zeitungen auf anderer Weise nicht am Leben zu erhalten sind, dann lasst sie sterben.<\/p>\n<p>Herzlichst,<\/p>\n<p>Ihr JeanLuc7<\/p>\n<p>P.S. Auch ohne Gesetz zu sein, hat das Leistungsschutzrecht den Verlagen bereits erste Einnahmen beschert: In vielen \u00fcberregionalen Zeitungen hat google am 29.11.2012 ganzseitige Anzeigen geschaltet, die die google-Position darstellen. Das war teuer.<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1896 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1896')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1896').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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