{"id":254,"date":"2009-10-04T11:14:16","date_gmt":"2009-10-04T09:14:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=254"},"modified":"2018-05-14T09:06:01","modified_gmt":"2018-05-14T08:06:01","slug":"warum-westerwelle-wirtschaftsminister-werden-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=254","title":{"rendered":"Warum Westerwelle Au\u00dfenminister wird"},"content":{"rendered":"<p>In der Woche nach der Bundestagswahl h\u00e4uften sich die Stimmen, die den Parteivorsitzenden der Liberalen Guido Westerwelle  in das Amt des Wirtschaftsministers loben m\u00f6chten. Einige fordern f\u00fcr ihn sogar ein Superministerium, in dem die Themen &#8222;Wirtschaft&#8220; und &#8222;Finanzen&#8220; zusammengelegt werden sollen.<\/p>\n<p>Diese W\u00fcnsche und Forderungen sind berechtigt. Die FDP hat vor der Wahl intensiv mit wirtschaftspolitischen Themen geworben wie &#8222;Mehr Netto vom Brutto&#8220; und &#8222;Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen&#8220;. Nat\u00fcrlich sind das Wahlkampf-Plattheiten, denen man sich genauso wenig widersetzen mag wie dem SPD-Leitspruch &#8222;Unser Land kann mehr&#8220;. Erw\u00e4hnte ich, dass die Sozialdemokraten die Wahl nicht gewonnen haben?<\/p>\n<p>Dennoch &#8211; Guido Westerwelle hat den Wahlkampf auf seine Person und auf diese Themen zuschneiden lassen, und auch nach der Wahl stellte er Steuerverg\u00fcnstigungen und insbesondere ein Maximum an liberaler Politik in Aussicht. W\u00e4hrend &#8222;liberal&#8220; in der FDP durchaus auch im Sinne von &#8222;frei&#8220; verstanden wird, ist Westerwelle klar auf eine Wirtschaftsliberalit\u00e4t ausgerichtet: Der Markt muss nur freier werden und mehr Geld zur Verf\u00fcgung haben, damit die Wirtschaft w\u00e4chst, mehr Menschen Arbeit haben und damit mehr Steuern zahlen, die wiederum dem Staat zus\u00e4tzlich zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Diese Vision mag verlockend klingen, sie ist aber auch ein klassisches Beispiel f\u00fcr eine Milchm\u00e4dchenrechnung:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Steuerreform bedeutet f\u00fcr den Normalb\u00fcrger nur geringe Netto-Zuw\u00e4chse. Ein Mehr von einem oder zwei Prozent ist einerseits f\u00fcr die Mehrheit der B\u00fcrger kaum wahrnehmbar. Auf einen Nettolohn von 1500 Euro bezogen bedeutet das 15 bis 30 Euro mehr im Monat &#8211; nicht sehr viel, um damit ein Wirtschaftswachstum auszul\u00f6sen. Aber selbst hoch gerechnet auf 40 Millionen Einkommensempf\u00e4nger bedeutet das nur einen Betrag von einer knappen Milliarde. Wir erinnern uns, dass das Vierfache dieses Betrages als sogenannte &#8222;Abwrackpr\u00e4mie&#8220; die Autoindustrie neun Monate befl\u00fcgelt hat, um jetzt trotzdem zu Umsatzeinbr\u00fcchen und Entlassungen zu f\u00fchren.<\/li>\n<li>Leider entstehen durch h\u00f6here Nachfrage auch nicht sofort neue Arbeitspl\u00e4tze. Es besteht aber ein direkter Zusammenhang zwischen Nachfrage und Angebot, der sich durch Preissteigerungen ausdr\u00fcckt. Diese sind f\u00fcr die Unternehmen Mehreinnahmen und <em>k\u00f6nnen<\/em> f\u00fcr Investitionen genutzt werden. Es besteht allerdings auch eine reelle Chance, dass die Mehreinnahmen nur die Taschen einiger Weniger f\u00fcllen. Auch in diesem Falle w\u00e4re die Kette unterbrochen, und es entstehen keine neuen Arbeitspl\u00e4tze.<\/li>\n<li>Es ist auch nicht sichergestellt, dass neue Arbeitspl\u00e4tze tats\u00e4chlich in Deutschland entstehen. Wiederum w\u00fcrden keine zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen entstehen und damit die Vorinvestition des Staates nur in neuen Schulden endet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der FDP-Plan ist also ein Wagnis mit vielen Unbekannten. Das wissen auch in der FDP viele, und sicher wei\u00df Guido Westerwelle um die Risiken seines Plans. Eine klassische Methode der Schadensbegrenzung ist nun, den Plan zwar zu formulieren, aber anderen die Umsetzung zu \u00fcberlassen. Damit kann man den reinen, unverf\u00e4lschten Plan selbst vertreten und bei seinem Scheitern die anderen verantwortlich machen, die das eigene Konzept verw\u00e4ssert und nur unzureichend umgesetzt haben.\u00a0 &#8222;Die anderen&#8220; &#8211; das sind vermutlich Karl Theodor (&#8230;) von und zu Guttenberg (CSU) und Rainer Br\u00fcderle (FDP), die als Finanz- und Wirtschaftsminister die Bundesrepublik f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre im wirtschaftlichen Umfeld f\u00fchren m\u00f6chten. &#8222;Man&#8220; &#8211; das ist in unserem Falle der strahlende Wahlsieger Guido Westerwelle, der weiterhin auf Wahlk\u00e4mpfen Steuersenkungen fordern darf, ohne erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, wie seine Forderungen finanziert werden sollen, und warum sein Konzept trotz der innewohnenden Genialit\u00e4t nicht funktioniert.<\/p>\n<p>Eine solche bequeme Position bietet das Au\u00dfenministerium f\u00fcr Herrn Westerwelle. Als Quereinsteiger wird er dort nach dem obligatorischen Englisch- und Diplomatiekurs die Politik seiner Vorg\u00e4nger fortf\u00fchren &#8211; im wesentlichen bestimmt von den Beamten, die ihm zuarbeiten. Und wenn es wirtschaftlich in Deutschland nicht so bergauf geht wie versprochen, dann liegt das an der Umsetzung und nicht am Konzept. Freuen wir uns auf viele weitere &#8222;Ich hab immer gesagt&#8230;&#8220; aus dem Munde des FDP-Chefs.<\/p>\n<p>Tr\u00e4umen wir trotzdem noch einmal von der Welt, in der Guido Westerwelle jeden Morgen zur Arbeit ins Superministerium f\u00e4hrt. Tr\u00e4umen wir weiterhin davon, dass nicht nur das Super-, sondern auch das Au\u00dfenministerium vom Kandidaten mit dem besten Potenzial gef\u00fchrt w\u00fcrde. In unserem Traum liegt nun vor uns die Liste mit allen passenden Vorschl\u00e4gen. Der Name &#8222;Guido Westerwelle&#8220; fehlt&#8230;<\/p>\n<p>Manchmal ist das Aufwachen richtig unangenehm.<\/p>\n<p>Herzlichst,<\/p>\n<p>Ihr JeanLuc7<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_254 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_254')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_254').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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