{"id":309,"date":"2010-03-02T11:11:52","date_gmt":"2010-03-02T09:11:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=309"},"modified":"2018-05-14T09:06:00","modified_gmt":"2018-05-14T08:06:00","slug":"hurra-ad-acta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=309","title":{"rendered":"Hurra! Ad ACTA!"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die Vorratsdatenspeicherung komplett verfassungswidrig ist. Alle bereits erfassten Daten sind sofort zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Das ist ein Grund zum Feiern. Es ist aber vor allem ein Beweis daf\u00fcr, dass einerseits die Kontrollinstanzen dieses Staates nach wie vor mit voller Leistung arbeiten\u00a0 und andererseits unsere Politiker (der letzten Bundestagsgeneration &#8211; fairerweise) ein weiteres Gesetz gebastelt haben, das jenseits der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Grenzen lag. Totalversagen auf ganzer Linie also.<\/p>\n<p>Allerdings offenbart sich im Rahmen der Gesetzgebung eine verh\u00e4ngnisvolle Verkettung von vorauseilendem Gehorsam. Das Ungl\u00fcck nahm in Br\u00fcssel seinen Lauf:<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst wurde diskutiert, ob und inwieweit der Rat der Europ\u00e4ischen Union die  Mitgliedstaaten durch einen Rahmenbeschluss zur Vorratsspeicherung von  Telekommunikationsdaten verpflichten kann oder ob ein derartiger Beschluss der Zustimmung des Europ\u00e4ischen Parlaments bedarf,  beispielsweise \u00fcber eine <span class=\"mw-redirect\">EG-Richtlinie<\/span>.<\/li>\n<li>Nach l\u00e4ngeren Diskussionen \u00fcber die Art und Weise des Gesetzgebungsverfahrens stimmte am 14.\u00a0Dezember 2005 das Europ\u00e4ische Parlament mit  den Stimmen der Christdemokraten und der Sozialdemokraten\u00a0 f\u00fcr die umstrittene Richtlinie zur  Vorratsdatenspeicherung.<\/li>\n<li>Am 21.\u00a0Februar 2006 stimmte der Rat ohne weitere Aussprache durch die  Innen- und Justizminister mehrheitlich f\u00fcr die Richtlinie; die  Vertreter Irlands und der Slowakei stimmten gegen die Richtlinie.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend in Deutschland der Deutsche Bundestag noch\u00a0  am 17.\u00a0Februar 2005\u00a0  eine Mindestspeicherfrist ausdr\u00fccklich ablehnte, forderte der nachfolgende Bundestag am 15.\u00a0Februar 2006  die Bundesregierung auf, den sogenannten Kompromissvorschlag f\u00fcr eine <span class=\"mw-redirect\">EG-Richtlinie<\/span> zur Vorratsdatenspeicherung im Rat der Europ\u00e4ischen Union zu  unterst\u00fctzen. Der Beschluss wurde mit den Stimmen der Gro\u00dfen Koalition  gefasst.<\/li>\n<li> Am 9. November 2007 wurde das Gesetz in <span class=\"mw-redirect\">namentlicher  Abstimmung<\/span> von der Mehrheit der Abgeordneten des Bundestags verabschiedet, am 26.  Dezember 2007 vom Bundespr\u00e4sidenten unterzeichnet. Es trat am 1. Januar 2008 in Kraft trat. Die deutsche Umsetzung erweitert  den Einsatzbereich der Vorratsdatenspeicherung auf weitere F\u00e4lle wie die Verfolgung von Ordnungsma\u00dfnahmen und  \u00e4ndert zus\u00e4tzlich das Telekommunikationsgesetz  um die verpflichtende Speicherung der Zuordnung zwischen  Anschlusskennung und Identit\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schon damals haben einige SPD-Abgeordnete nur deshalb zugestimmt, weil sie bereits von einer Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz ausgingen &#8211; welch seltsame Achtung des Parlaments! Es ist auch fraglich, wie viele Abgeordnete die EU-Richtlinie und das zugeh\u00f6rige Gesetz tats\u00e4chlich gelesen haben.<\/p>\n<p>Nun also geh\u00f6rt das Gesetz in seiner jetzigen Form der Vergangenheit an, und selbst in der EU diskutiert man wieder \u00fcber die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der damals erlassenen Richtlinie. Sollten die <a title=\"SpON: EU-Parlament kippt SWIFT-Abkommen\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,677232,00.html\" target=\"_blank\">Ereignisse rund um das SWIFT-Abkommen<\/a> hier bereits Wirkung zeigen?<\/p>\n<p>In einem anderen Fall, der uns demn\u00e4chst eine neue Richtlinie bescheren wird, ist der Lerneffekt jedenfalls noch nicht zu bemerken. Das Anti-Piraterieabkommen <a title=\"wikipedia.de: ACTA\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement\" target=\"_blank\">ACTA<\/a>, derzeit diskutiert zwischen den USA, der EU, aber auch L\u00e4ndern wie  Jordanien,  Marokko  und den Vereinigten Arabischen Emiraten, soll den Kampf gegen Produktpiraterie verbessern. Es wird heimlich verhandelt, und wie sich zeigt, ist das in Deutschland federf\u00fchrende Bundeswirtschaftsministerium auch <a title=\"Geleaktes Dokument zu ACTA\" href=\"http:\/\/www.michaelgeist.ca\/content\/view\/4819\/125\/\" target=\"_blank\">nicht an einer offenen Diskussion interessiert<\/a>. Inzwischen hat das EU-Parlament, das mit dem Luxemburger Vertrag neue Zustimmungsrechte erhalten hat, <a title=\"heise.de zu ACTA und EU-Parlament\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/ACTA-EU-Parlamentarierer-fordern-Ende-der-Heimlichkeiten-939498.html\" target=\"_blank\">erstmals die geheimen Verhandlungen kritisiert<\/a> &#8211; zu Recht, denn das, was dort St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck <a title=\"golem.de: Providerhaftung bei ACTA\" href=\"http:\/\/www.golem.de\/1002\/73302.html\" target=\"_blank\">aus den verschlossenen S\u00e4len hervordringt<\/a>, klingt eher nach Folterkeller der Ewiggestrigen als nach einem vern\u00fcnftigen Einstieg in das 21. Jahrhundert und seine neuen digitalen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Ein offenbar wichtiger Punkt ist die Diskussion um Urheberrechte, weitgehend gesteuert von der Lobby der Musik- und Contentindustrie. Es ist derzeit vorgesehen, zur Durchsetzung von Urheberrechtsanspr\u00fcchen im Internet auf  internationaler Ebene, dass auch die <span class=\"mw-redirect\">Internet Service  Provider<\/span> f\u00fcr von ihren Kunden begangene Urheberrechtsverletzungen  <a title=\"golem.de: Providerhaftung bei ACTA\" href=\"http:\/\/www.golem.de\/1002\/73302.html\" target=\"_blank\">als St\u00f6rer haftbar gemacht<\/a> werden k\u00f6nnen. Dieser  Verantwortung sollen sie sich nur entziehen k\u00f6nnen, wenn sie sich  verpflichten, den Datenverkehr ihrer Kunden zu \u00fcberwachen und ihnen gem\u00e4\u00df dem umstrittenen <a title=\"wikipedia.de: Three Strikes\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Three_Strikes\" target=\"_blank\">Three Strikes<\/a>-Prinzip den Internetzugang nach  drei Verst\u00f6\u00dfen gegen das Urheberrecht zu sperren.<\/p>\n<p>&#8222;\u00dcberwachung&#8220; bedeutet hier <a title=\"wikipedia.de: Deep Packet Inspection\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deep_Packet_Inspection\" target=\"_blank\">Deep Packet Inspection<\/a>, also die genaue Kontrolle dessen, was die Kunden inhaltlich abrufen. Diese Forderung geht wesentlich \u00fcber das hinaus, was im Zugangserschwernisgesetz vorgesehen war. Die Musikindustrie erh\u00e4lt damit endlich das Werkzeug, Filesharer zu belangen und ihnen im Wiederholungsfall ohne richterliche Kontrolle den Internetanschluss abzuklemmen &#8211; in der Hoffnung, dass dann CD-Verk\u00e4ufe und kostenpflichtige Downloads zusammen endlich wieder jene Umsatzh\u00f6hen erreichen, die wir auf dem H\u00f6hepunkt des Booms der CD hatten.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass diesmal bereits das EU-Parlament mit seinen erweiterten Rechten begreift, dass hier B\u00fcrgerrechte zugunsten von Industrieanspr\u00fcchen massiv eingeschr\u00e4nkt werden sollen. ACTA ist mit dem EU-Menschenrechtsanspruch nicht vereinbar und auch nicht mit der deutschen Verfassung &#8211; das sollte die Bundesregierung und das Wirtschaftsministerium sp\u00e4testens heute, mit dem Fall der Vorratsdatenspeicherung erkannt haben.<\/p>\n<p>Passt endlich das Urheberrecht an die Gegebenheiten an! DRM, <a title=\"netzpolitik.org zum geplanten Leistungsschutzrecht\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2009\/hubert-burda-und-das-leistungsschutzrecht\/\" target=\"_blank\">Leistungsschutzrecht<\/a> und Three Strikes sind untauglich, Ein Recht, gegen das die Bev\u00f6lkerung massenhaft verst\u00f6\u00dft, ist nicht durchsetzbar &#8211; und muss den Gegebenheiten angepasst werden, wie schon oft in der Vergangenheit. ACTA w\u00e4re eine Plattform daf\u00fcr. Aber es bedarf des Mutes, den Lobbyisten zu widersprechen. Jetzt ist die Gelegenheit dazu.<\/p>\n<p>Herzlichst (mit einem Glas Sekt in der Hand)<\/p>\n<p>Ihr JeanLuc7<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Quellenangabe f\u00fcr Ausz\u00fcge aus der Historie zum Vorratsdatenspeicherungsgesetz und zu ACTA: wikipedia.de<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_309 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_309')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_309').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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