{"id":3264,"date":"2014-10-22T08:31:53","date_gmt":"2014-10-22T06:31:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=3264"},"modified":"2018-05-14T09:02:37","modified_gmt":"2018-05-14T08:02:37","slug":"wie-man-zur-datenschleuder-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=3264","title":{"rendered":"Wie man zur Datenschleuder wird"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>in der vergangenen Woche hat Apple sein neues Betriebssystem &#8222;Yosemite&#8220; auf den Markt gebracht. Wie \u00fcblich bringt es eine Menge neuer und ge\u00e4nderter Funktionen mit &#8211; manche sind n\u00fctzlich, manche weniger, und das auch noch je nach Geschmack des Nutzers.<\/p>\n<p>Ein kleines Nebenfeature des neuen Betriebssystems soll die zentrale Suche des Betriebssystems namens Spotlight noch besser machen. Bisher suchte man damit auf allen lokalen Datentr\u00e4gern nach Dokumenten, die etwas mit dem eingegebenen Suchbegriff zu tun haben. Auf diese Weise findet man schnell die gew\u00fcnschten Dokumente, kann aber auch mal eben ein wenig benutztes Programm starten, kurz: Wenn man sich mit Spotlight einmal angefreundet hat, mag man es nicht mehr missen.<\/p>\n<p>Nun hat Apple dfen Suchradius von Spotlight erweitert: Das Internet wird mit einbezogen, so dass man auch Fragen stellen kann, f\u00fcr die man zuvor den Browser und google oder eine der anderen Suchmaschinen benutzen musste. Das kann durchaus n\u00fctzlich sein, denn Spotlight ist zentral zu erreichen und arbeitet ohne Wartezeit. Und man erf\u00e4hrt gleichzeitig, welche Infos zum Thema bereits auf der heimischen Festplatte liegen und was dazu noch im Netz erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>Sie ahnen es schon: nat\u00fcrlich muss Spotlight dazu auch mit dem Internet kommunizieren &#8211; es geht dabei aber nicht so vor, wie man es vielleicht erwarten k\u00f6nnte, n\u00e4mlich anonym und \u00fcber die \u00fcblichen Wege der Suchmaschinen.<\/p>\n<p>Vielmehr wird beim Aufruf von Spotlight &#8211; ohne dass auch nur ein Buchstabe getippt wurde &#8211; eine Session-ID und die per WLAN-Triangulierung ermittelte Position des Nutzers an Apple \u00fcbertragen. In St\u00e4dten ist so eine Ortung auf zehn Meter genau. Als Suchmaschine benutzt Apple Microsofts Bing und leitet nach eigener Aussage die Session-ID und die Position (auf St\u00e4dtebene verwischt) auch dorthin weiter.<\/p>\n<p>Apple versichert nun, die Daten nicht zu speichern. Die Session-ID hat eine G\u00fcltigkeit von 15 Minuten und wird dann laut Apple verworfen. Deshalb ist man sich auch keiner Schuld bewusst und weist den Vorwurf, Daten zu sammeln, auch weit von sich.<\/p>\n<p>Im besten Fall stimmt das, was Apple sagt. Auf Apple-Servern werden keine Daten gespeichert. Was Microsoft mit den Daten anstellt, ist schon weniger gesichert. Und seit dem letzten Jahr wissen wir, dass die Geheimdienste NSA und GCHQ auch gerne einmal fremde Server anzapfen oder sich einfach per geheimem Gerichtsbeschluss Zugang zu pers\u00f6nlichen Daten beschaffen. Und nun?<\/p>\n<p>Ich denke, eine schnellere M\u00f6glichkeit, Bombenbauer im Anfangsstadium zu lokalisieren, hat es noch nie gegeben. Endlich bekommt man Suchbegriffe und aktuellen Aufenthaltsort zusammen frei Haus geliefert. Eine daraus aufgebaute Datenbank zeigt uns endlich, wo \u00fcberall nach Bauanleitungen f\u00fcr Sprengfallen gesucht wird &#8211; auch wenn diese l\u00e4ngst auf der loaklen Platte gespeichert sind. Sie sollten auch zuk\u00fcnftig darauf achten, dass die Dateinamen Ihrer gespeicherten Pornos nicht unn\u00f6tig Verdacht erregen. Meiden Sie Namen wie &#8222;Junge Schlampen eiskalt verf\u00fchrt&#8220;, Spotlight k\u00f6nnte Ihnen ansonsten unn\u00f6tigen \u00c4rger verschaffen.<\/p>\n<p>Noch ein Beispiel? Stellen Sie sich einmal den verdutzten Blick des Journalisten vor, der auf der lokalen Platte den Artikel von vorletzter Woche \u00fcber die Salafisten und ihren Kontakt zum IS gesucht hat, wenn er eine halbe Stunde sp\u00e4ter Besuch vom Einsatzkommando erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wie realistisch ein solches Szenario ist, kann man derzeit in China beobachten: Dort hat die chinesische Regierung in ihrer &#8222;Great Firewall&#8220; per DNS-Umleitung eine <a href=\"http:\/\/www.computerworld.com\/article\/2836084\/chinese-big-brother-launches-nationwide-attack-on-icloud.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Man-in-the-Middle-Attacke<\/a> geschaltet, so dass die Chinesen die Apple-iCloud-Passw\u00f6rter ihrer B\u00fcrger in die Hand bekommen. Mittels der neuen Spotlight-Funktion bek\u00e4me man auf diese Weise sogar Informationen \u00fcber Dokumente auf der lokalen Platte, sobald der Nutzer danach sucht.<\/p>\n<p>Liebe Leute von Apple: Es ehrt Euch, dass man das Feature wenigstens <a href=\"https:\/\/fix-macosx.com\/\">abschalten<\/a> kann. Besser w\u00e4re es, man k\u00f6nnte (und m\u00fcsste) es bei jeder Suche per Klick aktivieren. Dann w\u00e4re es ein echter Zusatznutzen und kein Bedenklichkeitsfaktor. Also weg mit dieser Funktion.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft herzlich<\/p>\n<p>Ihr JL7<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3264 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3264')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3264').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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