{"id":330,"date":"2010-04-08T11:50:04","date_gmt":"2010-04-08T09:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=330"},"modified":"2018-05-14T09:06:00","modified_gmt":"2018-05-14T08:06:00","slug":"die-welt-ist-farbig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=330","title":{"rendered":"Die Welt ist farbig"},"content":{"rendered":"<p>Im letzten Jahr schien die Welt so einfach zu unterteilen in schwarz und wei\u00df. Schwarz &#8211; das waren Frau von der Leyen, Herr Uhl und alle anderen, die f\u00fcr Internetsperren eintraten, und wei\u00df, das waren die Internetnutzer, die Blogger und die liberale Presse. Dann kamen die orangefarbenen Piraten und mit ihnen die unangenehme Diskussion, ob die L\u00f6schung von Webseiten mit rechtsextremen und in Deutschland illegalen Inhalten der Zensur zuzuordnen sei. Die SPD war zun\u00e4chst f\u00fcr die Sperren und sp\u00e4ter (nicht vollst\u00e4ndig) dagegen, sogar in der CDU gab man zu, dass der<a title=\"netzpolitik.org: Sch\u00e4uble gibt Fehler zu\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2009\/schaeuble-gibt-populismus-und-handwerksfehler-bei-zensursula-zu\/\" target=\"_blank\"> Wahlkampfschlager nicht perfekt inszeniert<\/a> gewesen sei.<\/p>\n<p>Und nun dies: Google, einstmals mit dem motto &#8222;Don&#8217;t be evil&#8220; angetreten, wird heute gerne als Datenkrake bezeichnet, k\u00e4mpft aber gleichzeitig gegen die chinesische Regierung und deren Zensurbestimmungen. Gleichzeitig engagiert sich unsere Verbraucherschutzministerin Aigner, die in der Vergangenheit gerne <a title=\"zeit.de: Lebensmittelampel\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2009-10\/lebensmittel-ampel\" target=\"_blank\">ein Ohr f\u00fcr die Lobby der Nahrungsmittelindustrie<\/a> hatte, <a title=\"zeit.de: Aigner gegen Google\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2010-02\/aigner-google-street-view\" target=\"_blank\">gegen Googles neuen Dienst Streetview<\/a> und Facebook, <a title=\"morgenpost.de: Wem geh\u00f6ren unsere Daten\" href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/printarchiv\/wirtschaft\/article1267100\/Wem-gehoeren-unsere-Daten.html\" target=\"_blank\">verharmlost<\/a> aber die Vorratsdatenspeicherung.\u00a0 Auf welche Seite soll ich mich stellen?<\/p>\n<p>Verweilen wir kurz bei Frau Aigner. Ich halte ihren Kampf gegen Streetview f\u00fcr ein \u00fcberfl\u00fcssiges Gefecht. Einerseits hat Google in der Vergangenheit <a title=\"diepresse.com: google passt Datenschutz bei buzz an\" href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/techscience\/internet\/google\/539737\/index.do\" target=\"_blank\">Diskussionsbereitschaft und auch Anpassungsf\u00e4higkeit<\/a> bewiesen. Andererseits sind Aigners Aussagen nur ein Mitschwimmen auf einer scheinbar populistischen Welle, die sich gegen Google zu wenden scheint. Ob mit Streetview wirklich ein Versto\u00df gegen deutsche Gesetze begangen wird, haben die <a title=\"jurablogs.de: K\u00f6lner Gericht erkl\u00e4rt Streetview f\u00fcr zul\u00e4ssig\" href=\"http:\/\/www.jurablogs.com\/de\/lg-koeln-zulaessigkeit-verwendung-google-street-view\" target=\"_blank\">Gerichte zu entscheiden<\/a>, nicht die Politik.<\/p>\n<p>Aigners Vorsto\u00df gegen Facebook hingegen ist anders zu beurteilen. Ich teile nicht die Ansicht der Kommentatorin der ZEIT, die Drohung einer K\u00fcndigung ihres Accounts sei ein <a title=\"zeit.de: Wer hat Angst vor Ilse Aigner\" href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/kulturkampf\/2010\/04\/06\/wer-hat-angst-vor-ilse-aigner\/\" target=\"_self\">beleidigtes Schulhofgehabe<\/a>. Sie st\u00f6\u00dft vielmehr eine Diskussion an und zeigt den einzigen Weg auf, den Nutzer derzeit haben, um Facebook zu mehr Datensicherheit zu bringen: nicht mitzumachen. Ihre Ank\u00fcndigung f\u00e4llt offenbar auf fruchtbaren Boden: <a title=\"Vzbv.de: Weg von Facebook\" href=\"http:\/\/www.vzbv.de\/go\/presse\/1289\/index.html\" target=\"_blank\">Verbrauchersch\u00fctzer<\/a> haben sich ihrer Forderung angeschlossen, und eine Antwort eines f\u00fchrenden Facebook-Mitarbeiters liegt (nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich) bereits vor.<\/p>\n<p>Zum Hintergrund: Facebook will nach einer <a title=\"Facebook.com: neue Datenschutztrichtlinie\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/note.php?note_id=10150163898150301\" target=\"_blank\">\u00dcberarbeitung der Datenschutzrichtlinie<\/a> Namen, Mailadressen, Fotos und den Aufenthaltsort seiner Mitglieder nahestehenden Firmen zur weiteren Nutzung (Werbezwecke?) zur Verf\u00fcgung stellen. Die Mitglieder k\u00f6nnen dem aktiv widersprechen &#8211; dieses Verfahren nennt man <a title=\"wikipedia.de: Opt-Out\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Opt-out_%28Permission_Marketing%29\" target=\"_blank\">Opt-Out<\/a>. Bis zum Widerspruch stehen Facebook s\u00e4mtliche Daten zur Nutzung zur Verf\u00fcgung. Aigner und die Verbrauchersch\u00fctzer hingegen fordern ein <a title=\"wikipedia.de: Opt-In\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Opt-in\" target=\"_blank\">Opt-In<\/a>, bei dem der Nutzer aktiv seine Zustimmung erteilen muss. Demnach w\u00e4ren die 400 Millionen Teilnehmerdaten des Facebook-Netzwerks erst einmal nicht f\u00fcr gesch\u00e4ftliche Zwecke nutzbar, und es ist fraglich, wie viele Nutzer tats\u00e4chlich aktiv ihre Zustimmung f\u00fcr eine Weitergabe ihrer Daten an <a title=\"Barry Schmitt auf facebook.com\" href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=379388037130\" target=\"_blank\">Facebook nahestehende Firmen<\/a> wie Yahoo, AOL und CNN erlauben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Google und Facebook sind dabei nicht zuf\u00e4llig ins Visier der echten und selbsternannten Datensch\u00fctzer geraten. Beide sind in ihrem Bereich Marktf\u00fchrer; Facebook hat k\u00fcrzlich Google sogar in der <a title=\"weblogs.hitwise.com\" href=\"http:\/\/weblogs.hitwise.com\/heather-dougherty\/2010\/03\/facebook_reaches_top_ranking_i.html\" target=\"_blank\">Anzahl der\u00a0 Seitenaufrufe \u00fcberholt<\/a>. Das gerne gebrachte Argument, die Nutzung der Dienste sei freiwillig, wird inzwischen fragw\u00fcrdiger, da &#8211; mindestens bei Facebook &#8211; ein gewisser sozialer Zwang des Mitmachens besteht. Als ich einem Freund gestand, kein Facebook-Profil zu besitzen, sandte er mir dies:<\/p>\n<blockquote><p>Das Thema Facebook solltest Du dringend angehen. Sicher ist ein eigener Blog auch eine feine Sache, aber bei Facebook steht die bi-direktionale Kommunikation mehr im Vordergrund und macht es Dir leicht, auf dem Laufenden zu bleiben und andere auf dem Laufenden zu halten! Ich \u00fcberlege schon, meine Eltern und Schwester davon zu \u00fcberzeugen, sich einen Account einzurichten, damit ich zuk\u00fcnftig Frage wie: &#8222;Wie geht&#8217;s Dir? Was machst Du?&#8220; mit: &#8222;Schau doch bei Facebook nach!&#8220; beantworten kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich halte daher eine gewisse Kontrolle und insbesondere einen vorsichtigen Umgang mit Benutzerdaten gerade bei Marktf\u00fchrern f\u00fcr wichtig. Die \u00c4lteren unter uns erinnern sich sicher noch an die Ma\u00dfnahmen, die bei der Einf\u00fchrung von Windows XP Microsoft f\u00fcr deren laxen und unkontrollierten Umgang mit Nutzerdaten bei der Online-Registrierung des Betriebssystems angedroht wurden. Damals wurde sogar eine Zerschlagung des Konzerns diskutiert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig kann man die Facebook-Betreiber nicht verdammen f\u00fcr den Wunsch, mit der eigenen Plattform mehr Geld zu verdienen. Facebook ist kein sozialer Dienst an der Allgemeinheit, sondern ein Dienst eines Wirtschaftsunternehmens. Dies darf nur nicht so weit f\u00fchren, dass ein Quasi-Monopol zur einseitigen Gew\u00e4hrung von Nutzungsrechten f\u00fchrt. Auch Konzerne wie Apple, fr\u00fcher scheinbar eindeutig der wei\u00dfen Seite zuzuordnen, werden sich dieser Verantwortung in Zukunft stellen m\u00fcssen, wenn sie neben Computertechnik zu <a title=\"sz.de: iPad und Moby Dick\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/computer\/698\/507850\/text\/\" target=\"_blank\">Dienste- und Inhalteanbietern f\u00fcr B\u00fccher und Zeitschriften<\/a> werden.<\/p>\n<p>Die Welt ist eindeutig bunter, als sie sich im letzten Jahr darstellte. In gewissen Projekten arbeiten wir miteinander, bei anderen stehen wir auf unterschiedlichen Seiten. Und es l\u00e4sst sich keine klare Linie ausmachen, eher eine sich entwickelnde, gegenseitige Kontrolle. Dass ich Frau Aigners Facebook-Schelte guthei\u00dfe, bedeutet nicht, dass ihr n\u00e4chstes Projekt meine Zustimmung finden wird.<\/p>\n<p>Wer es nach wie vor lieber schwarz liebt, findet bei <a title=\"welt.de: Hans-Peter Uhl f\u00fcr Websperren\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article7066569\/CSU-attackiert-FDP-bei-Bekaempfung-der-Kinderpornografie.html\" target=\"_blank\">Hern Uhl<\/a> und den anderen Freunden von Zugangssperren f\u00fcr das Internet passendes Material. Hier stimmen die letztj\u00e4hrigen Fronten &#8211; noch.<\/p>\n<p>Und was treibt eigentlich Microsoft?<\/p>\n<p>Herzlichst,<\/p>\n<p>Ihr JeanLuc7<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_330 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_330')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_330').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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