{"id":3557,"date":"2016-06-01T09:09:46","date_gmt":"2016-06-01T08:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=3557"},"modified":"2018-05-14T09:01:38","modified_gmt":"2018-05-14T08:01:38","slug":"das-kopftuchversprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=3557","title":{"rendered":"Das Kopftuchversprechen"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>die Generalanw\u00e4ltin vor dem Gerichtshof der EU, Juliane Kokott, hat gestern eine Empfehlung zu einem ausstehenden Urteil abgegeben: private Arbeitgeber k\u00f6nnen das Tragen eines Kopftuches in Zukunft m\u00f6glicherweise untersagen, wenn wichtige Gr\u00fcnde dagegen stehen. Solche wichtigen Gr\u00fcnde k\u00f6nnen eine einheitliche Kleiderordnung sein, aber auch das Unterlassen religi\u00f6ser Bekenntnisse w\u00e4hrend der Arbeit, wenn sie den Betriebsfrieden st\u00f6ren. Bisher galt, dass zwar \u00f6ffentliche Arbeitgeber eine Neutralit\u00e4tspflicht haben und daher das Tragen eines Kopftuchs, eines Kreuzes oder anderer sichtbarer religi\u00f6ser Bekenntnisse untersagen k\u00f6nnen. Private Arbeitgeber hatten hingegen der Religionsfreiheit einen gr\u00f6\u00dferen Raum einzur\u00e4umen und daher Kopft\u00fccher gew\u00f6hnlich zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Ich interpretiere &#8222;Religionsfreiheit&#8220; gerne als &#8222;frei von Religion&#8220; und m\u00f6chte daher im \u00f6ffentlichen Raum m\u00f6glichst nicht von religi\u00f6sen Bekenntnissen bel\u00e4stigt werden. Ich st\u00f6re mich auch an den still feilgeboteten Schriften der Zeugen Jehovas, die seit der Fl\u00fcchtlingskrise wieder vermehrt auf den Stra\u00dfen (und auch im Berliner Hauptbahnhof) zu sehen sind und offenbar auf verirrte Muslimseelen hoffen. Der Leipziger Katholikentag &#8211; immerhin mit einer Million Euro aus dem stets klammen Beutel der Stadt Leipzig unterst\u00fctzt &#8211; fand nicht den erwarteten Zuspruch. Bei nur 5% Katholiken in Leipzig und insgesamt weniger als einem Viertel der Bev\u00f6lkerung, das dort noch Mitglied der christlichen Kirchen ist, ist das kein Wunder. Aber es zeigt, dass Religion in der \u00d6ffentlichkeit ohnehin keinen gro\u00dfen R\u00fcckhalt hat.<\/p>\n<p>Der Kopftuchstreit besch\u00e4ftigt uns nun aber schon seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Resultaten. Denn das Kopftuch wird einerseits als religi\u00f6ses Merkmal identifiziert, das Frauen eine Kleiderordnung aufzwingt. Andererseits f\u00fchrt ein Kopftuchverbot bei den Religi\u00f6sen dazu, dass ihnen &#8211; wenn sie es denn damit ernst meinen &#8211; bestimmte Berufe bzw. Stellen versagt bleiben. Man diskrimiere die Frauen, lautet das Argument der Kopftuchbef\u00fcrworter.<\/p>\n<p>Der Diskurs geht aber an der Sache vorbei. Wer im Jahr 2016 mit all unserem Wissen um Physik, Biologie und Chemie, aber auch um Umweltverschmutzung, politische Kontroversen, Terror, Kriege und V\u00f6lkermorde immer noch an wohlmeinende G\u00f6tter glaubt, hat nicht begriffen, in welcher Welt wir leben. Wenn wir wirklich etwas gegen religi\u00f6s motivierten Tugendterror tun wollen, dann m\u00fcssen wir ihm die Unterst\u00fctzung entziehen. Wenn die religi\u00f6s Unterdr\u00fcckten nicht mehr f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen, was ihnen ihre Unterdr\u00fccker einfl\u00fcstern, w\u00fcrden Debatten wie die um das Kopftuch schnell enden.<\/p>\n<p>Das Heilsversprechen der Religionen besteht f\u00fcr gew\u00f6hnlich darin, den Gl\u00e4ubigen ein sch\u00f6nes Weiterleben nach dem Tode zu versprechen, sei es im Himmel vereint mit den Liebsten oder in ewiger sexueller Verz\u00fcckung mit 72 Jungfrauen (die dann alsbald keine mehr sein werden). Und damit man sich bereits im richtigen Leben anst\u00e4ndig verh\u00e4lt, wurde die H\u00f6lle erdacht und der Selbstmord sanktioniert als direkter Weg dorthin &#8211; man soll ja auch nicht zu schnell im Himmel ankommen.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Waschmittel w\u00fcrde erst dann sauber waschen, wenn Sie tot sind. Oder Sie w\u00fcrden das neu gebaute Haus erst nach Ihrem Tode sehen und beziehen d\u00fcrfen. W\u00fcrden Sie dann ersthaft in Erw\u00e4gung ziehen, f\u00fcr solche Leistungsversprechen zu zahlen? Warum tun es die Religi\u00f6sen dann f\u00fcr ihre Religion? Denn nichts anderes wird dort versprochen: ein nicht einklagbares Versprechen auf eine unbekannte Zukunft in einem h\u00f6chstwahrscheinlich nicht existierenden Land, das keiner je lebend sehen wird. Da kann man nat\u00fcrlich viel versprechen &#8211; aber wer zwingt die Menschen, einem derart unsinnigen Kontrakt zuzustimmen und sich hernach gesellschaftlich, sexuell und auch im Zusammenleben unterdr\u00fccken oder sogar diskriminieren zu lassen?<\/p>\n<p>Man kann sein Leben auf vielf\u00e4ltige Weise leben und dabei ein halbwegs anst\u00e4ndiger Mensch bleiben. Es aber &#8222;gottgef\u00e4llig&#8220; zu leben, das scheitert schon daraus, dass die jeweilige religi\u00f6se Definition dieses Wortes eben nicht von einem Gott, sondern von Menschen erdacht wurde &#8211; Menschen zudem, die vor mehr als tausend Jahren gelebt haben und nun wirklich gar keine Ahnung davon hatten, wie sehr sich ihre Nachfahren die Welt wirklich untertan machen w\u00fcrden und welche Zutaten heute in unserem Essen sind.\u00a0 Und nach den Ideen und Worten dieser Leute soll man sein Leben ausrichten, blo\u00df weil ihre Romane und Kurzgeschichten ganz im Stile moderner Fantasy nicht nur von Menschen handeln, sondern von Magie und \u00dcbermenschen schwafeln?<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Kopftuch und den anderen religi\u00f6sen Symbolen wie Kreuz, Kippa, Ordenstrachten: Ich mag Menschen auf den Stra\u00dfen und an den Arbeitspl\u00e4tzen sehen, jedoch keine religi\u00f6sen Separatisten. Wenn Ihr Spa\u00df daran habt, Euch zu verkleiden, macht das in Euren vier W\u00e4nden oder einmal im Jahr zu Karneval.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft herzlich,<\/p>\n<p>JL7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3557 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3557')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3557').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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