{"id":3839,"date":"2019-06-04T12:12:29","date_gmt":"2019-06-04T11:12:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=3839"},"modified":"2019-06-04T12:12:43","modified_gmt":"2019-06-04T11:12:43","slug":"vom-klima-und-seinen-gegnern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=3839","title":{"rendered":"Vom Klima und seinen Gegnern"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>ich verbrachte in den letzten Monaten viel Zeit damit, die verschiedenen Lager in der Diskussion um das sich wandelnde Weltklima kennenzulernen. Erstaunlicherweise wird dabei meist ohne tiefe Kenntnisse der ablaufenden Prozesse diskutiert, daf\u00fcr hingegen mit viel Bauchgef\u00fchl. Es kristallisieren sich dabei insbesondere drei kritische Gruppen heraus:<\/p>\n<ul>\n<li>Die &#8222;Klimaleugner&#8220;, gemeint sind nat\u00fcrlich &#8222;Klima<em>wandel<\/em>leugner&#8220;, glauben, dass das Wetter sich \u00e4ndern unabh\u00e4ngig davon, was der Mensch tut. Da werden dann pseudophysikalische Prozesse aufgefahren, beispielsweise die Zahl der Sonnenflecken. Oder aber es werden Messungen einzelner Stationen in den USA zitiert &#8211; dort gibt es tats\u00e4chlich einige, die \u00fcber die Jahre fallende Temperaturen aufweisen. Insgesamt dienen alle Argumente aber zur Erkl\u00e4rung, dass der Mensch einen eher geringen Einfluss auf das Klima habe &#8211; und nat\u00fcrlich der Entschuldigung, so weiterzumachen wie bisher. Schukd sind hier sowieso die anderen (China und Indien).<\/li>\n<li>Die Klimawirtschafter sind sich bewusst, dass der Mensch nicht so ganz unschuldig sei, aber erstens alles schon nicht so schlimm werde, weil man ja gar nicht genau wei\u00df, ob nun 1,5\u00b0 oder 2\u00b0 oder vielleicht erst 4\u00b0 zum nicht umkehrbaren Kippen des Weltklimas f\u00fchren werden. Zudem m\u00fcssen alle Ma\u00dfnahmen auch zu unserer Weltordnung passen &#8211; <em>marktkonforme Demokratie<\/em> nannte Frau Merkel diese Weltordnung einmal. Also nicht zuviel und vor allem nicht zu schnell, damit die n\u00e4chsten 20 Jahre noch alles so rund l\u00e4uft wie jetzt. Sie sind meistens \u00e4ltere Semester (zumindest aber innerlich gereift wie Philip Amthor) &#8211; das erkl\u00e4rt die Auswahl des Zeitintervalls f\u00fcr ein &#8222;Weiter so&#8220;.<\/li>\n<li>Die Klimafreunde scheinen harmlos, sind aber die krassesten von allen. Ihnen ist egal, ob der Mensch nun den Klimawandel verursacht, oder die &#8222;Erde den Menschen satt&#8220; hat, wie es Peter Schilling 1983 einmal dahersang. Ihr Credo ist &#8222;Kommt damit klar&#8220;, was in deren Vorstellung in Deutschland wohl auf einen verst\u00e4rkten Ausbau Niedersachsens zur neuen mediterranen Zone hinausl\u00e4uft (auch wenn man dank steigender Meeresspiegel noch nicht wei\u00df, wo genau der neue Strand verlaufen wird). Hamburg wird einfach zur Unterwasserstadt und damit zur neuen Top-Sehensw\u00fcrdigkeit. Und dank dem tropischen Klima brauchen wir auch keine unreifen Bananen oder Orangen mehr importieren, sondern z\u00fcchten sie einfach im Garten selbst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle drei Szenarien entstammen derselben konservativen Denke &#8211; die \u00fcbrigens einen Missverst\u00e4ndnis des Wortes &#8222;konservativ&#8220;, also &#8222;bewahrend&#8220; entspringt, indem man es lediglich auf die Wirtschaft einengt. Die Fakten sind aber andere:<\/p>\n<ul>\n<li>Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die CO2-Menge in der Luft von 280 ppm auf heute 415 ppm gestiegen. Der einzige Grund hierf\u00fcr ist die industrielle Gesellschaft und ihr Verbrauch an fossilen Brennstoffen. Wir haben binnen 150 Jahren das verpulvert, was in Millionen von Jahren als Sonnenenrgie gespeichert wurde.<\/li>\n<li>Die Wissenschaft ist sich nicht einig dar\u00fcber, wann genau ein &#8222;Kipp-Punkt&#8220; in Bezug auf Temperaturerh\u00f6hungen erreicht ist &#8211; also ein Punkt, an dem eine Situation unumkehrbar wird und sich selbst verst\u00e4rkt. Solch ein Kipp-Punkt ist beispielsweise das Erliegen des Golfstroms durch das Einflie\u00dfen geschmolzenen Gletscher-S\u00fc\u00dfwassers. Sollte dieser Fall eintreten, wird es in Europa kalt &#8211; und nicht w\u00e4rmer. Zum Vergleich: New York (ohne Golfstrom und mit saukalten Wintern) liegt etwa auf derselben geograhischen Breite wie Paris.<\/li>\n<li>Deutschland hat nur etwa 2% Anteil am weltweit durch Menschen ausgesto\u00dfenes CO2. Allerdings stellt Deutschland nur etwa 1% der Weltbev\u00f6lkerung und lebt damit offensichtlich auf Kosten anderer. Eine Reduktion des CO2-Aussto\u00dfes um 50% br\u00e4chte uns lediglich auf das mittlere Weltniveau.<\/li>\n<li>Gern kolportiert wird auch die Sache mit der \u00dcberbev\u00f6lkerung: wenn sich die Menscheit Avengers-End-Game-like halbierte, w\u00e4ren wir alle Probleme los. Man \u00fcbersieht dabei allerdings, dass die damit gern gemeinte H\u00e4lfte in Afrika und Indien und China gar nicht f\u00fcr unsere Probleme verantwortlich ist, sondern jene 10%, die ein f\u00fcrstliches Leben westlichen Stils auf Kosten anderer f\u00fchren &#8211; also wir. Wenn man also schon eine Reduktion der Bev\u00f6lkerung fordert, muss man bei uns anfangen &#8211; also keine weiteren Kinder zu zeugen in den Staaten der westlichen Welt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schaut man sich nun einmal unseren j\u00e4hrlichen Energiebedarf an, dann liegt der Anteil der erneuerbaren Energiequellen beim Strom bei etwa 38%, bei W\u00e4rme bei etwa 14% und in der Mobilit\u00e4t bei knappen 6% &#8211; der Rest wird gewonnen aus fossilen Brennstoffen und Atomenergie. Allen Beteuerungen unserer Politiker zum Trotz werden wir nach meiner Einsch\u00e4tzung weder 2030 noch 2050 einen Stand erreicht haben, nach dem mehr als 50% oder sogar unser gesamter Energiebedarf aus erneuerbaren Energiequellen stammt &#8211; den Fall eines Atomkriegs und einer postatomaren Welt mit nur einer Handvoll \u00dcberlebender einmal ausgeschlossen. Was also bleibt?<\/p>\n<p>Wenn wir es Ernst meinen mit dem Ausstieg aus der Nutzung\u00a0 fossiler Brennstoffe in den Bereichen Strom, W\u00e4rme und Mobilit\u00e4t (man bedenke, dass \u00d6l auch in der Industrie zur Produktion von Kunststoffen aller Art unverzichtbar ist), dann muss ich &#8211; so weh mir das tut &#8211; der Forderung der konservativen CDU-Splittergruppe &#8222;Werte Union&#8220; Recht geben, die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/klimapolitik-der-cdu-werte-union-fordert-laengere-laufzeiten-fuer-kraftwerke-a-1270684.html\">gerade heute<\/a> eine Verl\u00e4ngerung der Laufzeit der Atomkraftwerke gefordert hat.<\/p>\n<p>Ja, Atomstrom ist nat\u00fcrlich alles andere als sauber. Und wir m\u00fcssen den Dreck viele Jahrtausende lang sicher aufbewahren &#8211; viel l\u00e4nger, als unsere \u00e4ltesten Aufzeichnungen in die Vergangenheit reichen. Aber wenn unsere Wahl zwischen einer letzten gro\u00dfen Party f\u00fcr 30 Jahre und danach einer globalen Katastrophe einerseits und einer geordneten Nutzung und einem danach folgenden Ausstieg aus der Kernenergie f\u00fcr vielleicht 50 Jahre und einer f\u00fcr lange Zeit relativ sauberen, lebenswerten Erde andererseits besteht, bin ich bereit, diese fette Kr\u00f6te zu schlucken.<\/p>\n<p>Auch die Gr\u00fcnen werden um diese Diskussion nicht herumkommen. Dass Braunkohle keine Zukunft haben darf, wissen wir alle &#8211; auch die 20.000 Menschen in der Lausitz, die jetzt noch in der Braunkohlegewinnung arbeiten. Gleiches gilt f\u00fcr alle fossilen Brennstoffe, sofern wir damit nichts besseres anfangen, als sie einfach zu verfeuern f\u00fcr ein bisschen Strom, W\u00e4rme und Mobilit\u00e4t. Aber Windkraft und Solarenergie werden unseren Bedarf erst einmal nicht decken.<\/p>\n<p>Und Fukushima? Tschernobyl? Alles vergessen? Nein, bestimmt nicht. Nur glaube ich tats\u00e4chlich, dass uns von den deutschen AKWs im internationalen Vergleich nun wirklich die geringste Gefahr droht. Da schauen wir einmal nach Frankreich oder Belgien &#8211; und sollten daf\u00fcr sorgen, dass auch dort Strom aus Atomkraft sicherer wird.<\/p>\n<p>Trotzdem werden sich die B\u00fcrger in den westlichen Staaten auch finanziell mit dem Klima befassen m\u00fcssen. Ich halte eine kostenneutrale\u00a0 CO2-Steuer f\u00fcr ein wirksames Instrument &#8211; wobei &#8222;kostenneutral&#8220; meint dass jene, die weniger CO2 als der Durchschnitt erzeugen, von dieser Steuer profitieren, w\u00e4hrend die Gro\u00dferzeuger mehr bezahlen m\u00fcssen. Das betrifft schon allein wegen des Konsums alle Besserverdienenden &#8211; w\u00e4hrend jene, die wenige haben und sich wenig leisten, hier noch ein bisschen gewinnen k\u00f6nnen. Das Argument, eine CO2-Steuer belaste nur die Armen, stammt aus dem neoliberalen Kapitalismusbaukasten. Es ist schlicht Unsinn &#8211; sofern man es mit der Steuer richtig angeht.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich muss es am Ende hei\u00dfen: Verbraucht weniger Energie! Jeder kann schon einmal damit anfangen, indem er in diesem Jahr zur Urlaubszeit auf den Flug in die Ferne verzichtet.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft herzlich,<\/p>\n<p>Ihr JL7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3839 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3839')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3839').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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