{"id":955,"date":"2011-11-16T21:26:57","date_gmt":"2011-11-16T19:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennecke.org\/?p=955"},"modified":"2018-05-14T09:06:37","modified_gmt":"2018-05-14T08:06:37","slug":"warum-man-nicht-einkaufen-sollte-wenn-man-satt-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennecke.org\/?p=955","title":{"rendered":"Warum man nicht einkaufen sollte, wenn man satt ist"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>lange habe ich mich davor gedr\u00fcckt, das alles bestimmende Thema &#8222;Schuldenkrise&#8220; aufzunehmen, aber letztlich habe ich inzwischen so viel Material gesammelt, dass es f\u00fcr einige Artikel reichen wird. Aber beginnen wir mit der Schuldenkrise selbst, die angeblich in Griechenland begonnen hat &#8211; oder bei Lehman&#8217;s, je nach Auslegung und Quelle.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat sie aber viel fr\u00fcher begonnen, und sie ist genau genommen auch keine Schuldenkrise, sondern eine Konsumkrise. Dieser Tage las ich in der <a title=\"Inzwischen auch online\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/46\/Kapitalismus\">Printausgabe der ZEIT<\/a> eine Studie, in der \u00fcber die unverd\u00e4chtige Zeit 2000-2006 referiert wird, eine Zeit, in der jeder Deutsche im Mittel etwa 10.000 Dinge besa\u00df. In dieser Zeit ist das Bruttosozialprodukt in Deutschland um etwa 354 Milliarden gestiegen, was f\u00fcr jeden Deutschen &#8211; wiederum im Mittel &#8211; die zus\u00e4tzliche Summe von 4317\u20ac bedeutet. Das war nicht so viel Steigerung wie in fr\u00fcheren Jahren, aber immerhin. Daf\u00fcr kann man sich schon ein paar zus\u00e4tzliche Dinge kaufen.<\/p>\n<p>Schaut man sich nun an, wie die Schulden in Deutschland gestiegen sind, so stellt man fest, dass es im Vergleichszeitraum fast dieselbe Summe ist &#8211; 342 Milliarden. Mit anderen Worten: Jeder Cent des Wirtschaftswachstums von 2000-2006 ist auf Pump finanziert &#8211; es hat gar kein echtes Wachstum gegeben. Sehr \u00e4hnliche Bilder ergeben sich \u00fcbrigens auch f\u00fcr alle anderen Industrienationen &#8211; es ist kein deutsches Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, warum Wachstum in den Industrienationen nur noch durch Schulden erreicht werden kann und die Wirtschaft seit vielen Jahren nicht mehr aus eigener Kraft w\u00e4chst wie bis hinein in die 1990er Jahre.\u00a0 Die Antwort ist verbl\u00fcffend einfach; ich h\u00f6re sie jedes Jahr, wenn ich meine Mutter frage, was sie sich zu Weihnachten w\u00fcnscht: &#8222;Nichts, ich hab doch alles&#8220;. Klar &#8211; wer 10.000 Dinge sein eigen nennt, braucht eben keine weiteren 1.000 &#8211; er ist satt. Neuanschaffungen kommen nur noch infrage, wenn alte Dinge ersetzt werden sollen. Besondere Anschaffungen folgen nur aus besonderen Angeboten &#8211; der der Krise trotzende Konzern Apple ist ein gutes Beispiel. Aber im allgemeinen: Wann haben Sie zuletzt einmal etwas richtig Neues gekauft, das zu nichts davor vergleichbar war? Bis hinein in die 1970er Jahre war das aber der Normalfall.<\/p>\n<p>Aus Konsumstagnation entsteht aber kein Wirtschaftswachstum mehr. Das ist per se gar nicht gef\u00e4hrlich, allerdings passt es nicht zu unserem Verst\u00e4ndnis von Wirtschaft, Wachstum und Kapitalismus. Eine Wirtschaft, die nicht w\u00e4chst, l\u00e4sst keine neuen Jobs entstehen. Sie neigt statt dessen zum regelm\u00e4\u00dfigen Kriseln, wie wir das seit Jahren erleben, aber auch nicht zum echten Absturz. Der Staat reagiert auf diese Krisen mit dem immer gleichen Rezept: Investition in die M\u00e4rkte, zuletzt in der Breite erlebt bei der Abwrackpr\u00e4mie, die den Staat (uns) viel Geld gekostet hat, damit die B\u00fcrger (wir) ein paar Autos g\u00fcnstiger kaufen konnten. Rechnen Sie das mal zusammen &#8211; wieder eine Nullsumme.<\/p>\n<p>In Krisenzeiten greifen unsere Politiker also immer wieder gerne auf die Thesen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\">John Maynard Keynes<\/a> zur\u00fcck: In Krisenzeiten soll der Staat zu finanz- und geldpolitischen Mitteln greifen, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder an das Niveau heranzuf\u00fchren, bei dem Vollbesch\u00e4ftigung herrscht. Aber wie so oft im Leben lohnt es sich, die Keynes&#8217;sche Botschaft vollst\u00e4ndig zu lesen: Seine These beinhaltet n\u00e4mlich auch, dass seine Enkel einmal in einem Zeitalter ein Leben f\u00fchren k\u00f6nnen, in dem Wachstum nicht mehr n\u00f6tig ist, weil jeder bereits alles hat.<\/p>\n<p>Dieses Zeitalter ist &#8211; jetzt.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft herzlich<\/p>\n<p>JeanLuc7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_955 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_955')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_955').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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