So ist’s recht, Herr Weigt!

Als Bürgermeister der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard nahe Karlsruhe mit ihren 9531 Seelen machen Sie Ihre Sache offenbar gut, denn auf den Internetseiten Ihrer Gemeinde können wir lesen: “Die Bewohner empfinden ihr Karlsdorf-Neuthard als liebens- und lebenswerte Gemeinde.“ Das freut mich sehr.

Im ländlichen Gebiet gilt oftmals noch „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“. Und so müssen die vom Verein Computerfreunde Karlsdorf-Neuthard seit 2001 veranstalteten LAN-Partys mit Namen Convention-X-Treme mit ihren jungen Menschen, die ihre Computer in eine Halle tragen und gemeinsam spielen (mit Maus und Tastatur), schon sehr befremdlich auf die Einwohner wirken.

Dies hat nun dazu geführt, dass die geplante 14. Veranstaltung auf Druck des CDU-Bürgermeisters – das sind Sie, Herr Weigt – abgesagt werden musste. Denn Sie haben unmissverständlich klargestellt, bei der 14. CXT im August sei auf „Killerspiele“ zu verzichten, auch auf „World of Warcraft“. Dies geschieht offenbar auf Druck von noch höherer Stelle, denn Ihr Parteikollege Heribert Rech hat schon vor einiger Zeit angekündigt, gegen Gewaltspiele „ganz klare Kante“ zeigen zu wollen. Nun denn, hier war die Chance, und Sie haben sie genutzt. Denn: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht, und was der Politiker nicht kennt, das verbietet er.

Die Herren des lokalen Schützenvereins sind Ihnen aber offenbar wohl bekannt. Dieser Verein veranstaltet nämlich am 8. und 9. August im Schützenhaus Karlsdorf sein 30. Internationales Jugendturnier. Von einem Verbot von „Killerwaffen“ habe ich bisher von Ihrer Seite noch nichts gehört.

Ich empfehle daher, Sie sollten einmal alle Gamer aus ihren virtuellen WoW-Welten herausholen und ihnen an diesem Augustwochenende zwei Tage im Jugenturnierlager verordnen. Da können die Jugendlichen mit Gewehr und Pistole schießen und an echten Waffen lernen.

Oh – ich vergaß. Die abgesagte LAN-Party war nur für Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen. Die Gamer sind folglich bereits zu alt für Ihr Schützenfest.

Es grüßt Sie

JeanLuc7

Sven Weigt ist Bürgermeister der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard. Er ist Mitglied der CDU.

Dem Spiel „World of Warcraft“ wird zwar eine gewisse Suchtwirkung nachgesagt, es gilt jedoch  als „Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel“ (MMORPG) und nicht als „First Person Shooter„, jener Spielklasse, die in populistischer Aussprache von Politikern häufig als „Killerspiele“ bezeichnet wird.

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4 Kommentare zu So ist’s recht, Herr Weigt!

  1. LastGunman sagt:

    Hi,

    es ging nicht um das MMORPG „World of Warcraft“, sondern um das Fantasy-Strategiespiel „Warcraft III“, also fällt hier auch die Onlinesucht flach, obwohl man es natürlich (wie aber auch diverse viele andere Spiele, von Tetris bis Autorennnen) auch online gegen andere spielen kann.

    Michael

    • admin sagt:

      Salut und danke für die Richtigstellung. Meine Quellen sind nicht eindeutig; mal wird von WoW, mal von W-III gesprochen.
      Grüße, JL7

  2. Arthur Erhardt sagt:

    Hallo,

    sehe ich das richtig? Der Bürgermeister des Dorfs verbietet die LAN-Party, und deswegen ist der Schützenverein böse? Ist das nur mir zu einfach?

    • admin sagt:

      Nein, der Schützenverein ist nicht böse. Es sollte der Vergleich zwischen der Behandlung virtueller und echter Waffen gezogen werden. Während der Bürgermeister die virtuellen Waffen in Erwachsenenhänden verbietet, hat er gleichzeitig nichts gegen echte Waffen in Jugendhänden einzuwenden.

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