Pofalla und kein Ende

Werte Leserinnen und Leser,

Sie erinnern sich? Ronald Pofalla – das ist der brave Schoßhund, der Frau Merkel jahrelang so sehr die Treue gehalten hat, dass man kaum noch seine eigene Meinung wahrnehmen konnte. Pofalla hatte zuletzt die undankbare Aufgabe, die NSA-Affäre für beendet zu erklären, als sie noch gar nicht begonnen hatte und wurde zu Recht zum Gespött der Netzgemeinde.

Nun hat sich Frau Merkel für all die Arschkriecherei Treue bei ihm bedankt: mit einem Posten bei der Eisenbahn. Zwar wird Pofalla nicht, wovon er als Kind vielleicht geträumt haben mag, nämlich Lokführer. Aber ein extra für ihn  geschaffener Posten, der „Vorstand langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik“,  wird es dank eines üppigen Salärs von jährlich 1,3 bis 1,8  Millionen Euro auch tun.

Vorbei die Zeiten, in denen Pofalla unwichtige Minderheitenprobleme für beendet erklären musste – hier kommt die ultimative Liste für die Allzweckwaffe im Beenden von Dingen:

  • Pofalla beendet Verspätungen: In seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt erklärte Pofalla den überraschten Journalisten, dass sämtliche Verspätungen der Vergangenheit angehören und alle Züge künftig pünktlich seien. Erreicht werde dies zukünftig durch ein neuartiges digitales Kursbuch, dessen Abfahrtzeiten sich dynamisch und automatisch der Realität anpassen.
  • Pofalla beendet Stuttgart 21: Wie aus dem Bahn-Tower zu erfahren war, hat Vorstandsmitglied Pofalla das Projekt Stuttgart 21 für beendet erklärt. Gleichzeitig stellte er drei neue Projekte für die schwäbische Region vor: Mit Stuttgart 31, Stuttgart 41 und Stuttgart 51 werden wichtige Infrastrukturprojekte angeschoben, die der Bauindustrie der Region langfristig lukrative Aufträge sichern würden. Pofalla hielt einen Kalender für das Jahr 2059 hoch, in dem er die Eröffnung des Stuttgarter Bahnhofs bereits fest eingetragen und für sich reserviert hatte.
  • Pofalla beendet Mainzer Stellwerkschaos: Heute erklärte der umtriebige Neu-Manager Pofalla im Namen des gesamten Bahnvorstands, dass die Stadt Mainz zum Jahresende beendet geschlossen würde. Der Plan sei bereits mit der Bundesregierung abgestimmt und Teil eines Infrastrukturprojekts zur Verringerung von Zugausfällen. Die Bevölkerung von Mainz werde auf die umliegenden Städte verteilt. Zur zukünftigen Nutzung des frei werdenden Areals in der Nähe von Wiesbaden wurden noch keine Pläne bekannt.
  • Pofalla beendet Toilettenverstopfung: In einem Blitzschlag hat Bahnvorstand Pofalla dieser Tage das seit langem andauernde Problem verstopfter Toiletten in den Zügen der Deutschen Bahn beendet. In einem symbolischen Akt verschloss er dazu die letzte noch offene Toilette in einem ICE-Mittelwagen und zerstörte den Schlüssel mit einem Hammer. „Zukünftig müssen die Passagiere auf der Suche nach einer funktionierenden Toilette nicht mehr lange durch den Zug irren, sondern können bereits am eigenen Platz sicher sein, dass sie keine finden werden“, so Pofalla zu den anwesenden Journalisten.
  • Pofalla beendet Weichenstreik: Trotz des anhaltenden Winters und des Dauerfrosts in Deutschland hat Bahnvorstand Pofalla heute ein Weichenfeld am Hamburger Bahnhof besucht und die eingefrorenen Weichen in einer mitreißenden und warmherzigen Rede aufgefordert, ihren Funktionsstreik zu beenden. Während die Gewerkschaft der Lokführer GdL der Aktion kritisch gegenüberstand und von „blindem Aktionismus“ sprach, äußerte sich der Deutsche Bahnkunden-Verband e.V. positiv und sprach von einer wichtigen Weichenstellung für die Zukunft.

Pofalla könnte vieles beenden, wie sich zeigt. Aber vielleicht regt sich unter den Bürgern noch ein wenig moralische Entrüstung, um den Spuk um den neuen Vorstandsposten zu beenden, bevor er besetzt wird. Denn welche langfristige Strategie mag Pofalla mitbringen, der doch in der Vergangenheit nie durch eigene Fähigkeiten, Ideen oder gar Strategien aufgefallen ist.

Und wozu braucht die Bahn über Pofalla Kontakte zur Politik? Die Bundesrepublik ist der einzige Eigentümer der Bahn und Dobrindt in seiner Funktion als Verkehrsminister ist der Boss von Bahnchef Grube – direkter geht es wohl kaum.

Mein Vorschlag für ein gutes Ende: Pofalla beendet die Debatte um seinen neuen Posten, indem er darauf verzichtet und sich eine anständige und intellektuell angemessene Arbeit sucht.

Es grüßt herzlich

JL7

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Ein Kommentar zu Pofalla und kein Ende

  1. Klaus Baum sagt:

    Pofalla war auch derjenige, der Schröders Wechsel in die Privatwirtschaft (2005?) heftigst kritisierte. Geteu nach Adenauers Motto „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ agiert er jetzt aber genau so.

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