Go, Welli, go!

Werter Herr Westerwelle,

in den letzten Wochen wurde an vielen Stellen Ihr Rücktritt als Außenminister der Bundesrepublik gefordert. Sie haben der Versuchung bisher widerstanden, diesen Forderungen nachzugeben. Das ist menschlich verständlich, denn sicher sind auch Sie nicht gefeit vor der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust und dem damit einhergehenden sozialen Abstieg. Ich möchte Ihnen daher diese Angst ein wenig nehmen und Ihnen die Entscheidung erleichtern.

  • Wie viele Spitzenpositionen ist auch Ihr Arbeitsplatz ein befristetes Beschäftigungsverhältnis – es endet spätestens im September 2013. Zwar besteht theoretisch die Chance einer Vertragsverlängerung, diese möchte ich aufgrund der aktuellen Situation und der prognostizierten Aussichten Ihrer Partei aber doch eher als gering sehr gering einschätzen. Daher stellt sich die Frage nach einer beruflichen Neuausrichtung ohnehin. Sie sollten diese Aufgabe nicht in die Zukunft verschieben, sondern am besten sofort beginnen, neue Kontakte zu knüpfen. Wie schnell man dabei erfolgreich sein kann, zeigen die Verträge von Dieter Althaus (Ex-Ministerpräsident in Thüringen und zudem passionierter Skifahrer) bei Magna und Roland Koch (Ex-Ministerpräsident in Hessen und seinerzeit brutalstmöglicher Aufklärer der CDU-Spendenaffäre) bei Bilfinger und Berger. Sogar Herr Guttenberg hat nur wenige Monate bis zu seiner Übersiedlung nach USA gebraucht. Die Aussichten sind gut, haben Sie keine Angst.
  • Das Außenamt, dem Sie derzeit vorstehen, ist traditionell ein Ruhepol der Regierung, in dem Kritik unterbleibt. Außenminister haben in der Vergangenheit Geschichte geschrieben: Brandt bei seinem Kniefall in Polen, Genscher während des Endes der DDR, Fischer bei seinem Auftreten gegenüber dem damaligen amerikanischen Verteidigungsminister Rumsfeld. Sogar Ihr Parteikollege Scheel war erfolgreich im Teilbereich der Musikgeschichte. Aber seien wir ehrlich: Die letzten Kanzler und Kanzlerinnen waren und sind ihre eigenen Außenminister. Sogar Jürgen Trittin hat das bereits erkannt und nun als nächstes Berufsziel nicht mehr Ihren Posten, sondern den des Finanzministers im Auge. Daher wäre es nur konsequent, dem Amt wieder die nötige Ruhe zurückzugeben – da wäre eine Trennung zwischen dem Amt und Ihnen nur konsequent. Und mal ganz ehrlich: Regieren macht heute doch sowieso viel weniger Spaß als früher das Nörgeln in der Opposition.
  • Die Not leidende FDP und ihr gebeutelter Parteichef Rösler brauchen einen Ausblick. Derzeit sieht es im Hinblick auf die Wahl 2013 finster aus. Zwar bin ich fest von einem Einzug der FDP ins Parlament überzeugt (mithilfe von Leihstimmen der CDU), aber es reicht unter den derzeitigen Voraussetzungen ganz gewiss nicht für eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU. Dieser Tage haben Ihnen sogar die Millionäre ihre Unterstützung entzogen; auch dort ist man inzwischen der Meinung, dass man lieber mehr Steuern zahlen möchte als weniger. Aber es ist hier wie seinerzeit mit Kohl: solange der noch Ehrenvorsitzender der CDU war, nahm man den CDU-Politikern das Versprechen, von nun an keine Spenden mehr zu unterschlagen, einfach nicht ab. Und eine FDP-Kehrtwende vom Mantra „Steuersenkung“ ist nicht glaubwürdig, solange Sie als dessen Lordsiegelbewahrer noch mit am Ruder sind. Geben Sie der FDP noch eine Chance bei der nächsten Wahl!
  • Nicht zuletzt tun Sie sich, Ihrer Familie und Ihrer Krankenkasse einen Gefallen. Weniger Verantwortung senkt das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erheblich, und ohnehin steigt das Lebensgefühl ab einem Einkommen von 70.000 € nicht mehr. Als langjähriges Mitglied des Bundestages kennen Sie keine Altersarmut, und vielleicht gelingt Ihnen mit dem Sprung in die Verantwortungslosigkeit auch ein ganz neuer Blick auf die Welt. Vielleicht entwickeln Sie sich als später Nachfolger von Heiner Geißler in einigen Jahren sogar zur Idealbesetzung für Mediationsverfahren – ein kaum zu erreichendes Ziel und daher eine echte Herausforderung.

Für eine Umkehr ist es nie zu spät. Ich erinnere in solchen Fällen immer gerne an Darth Vader, der in Star Wars 6 seine Maske abstreift, um seinen Sohn Luke Skywalker einmal mit eigenen Augen zu sehen. Die Welt einmal zu sehen, wie sie wirklich ist – wäre das nicht auch etwas für Sie?

Es grüßt ganz herzlich

JeanLuc7

 

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Ein Kommentar zu Go, Welli, go!

  1. Franz sagt:

    Wenn Westerwelle seinen Helm abnehmen würde, wäre Deutschland nicht mehr das gleiche Land. Das würde uns doch alle schockieren. Wie habt ihr euch denn beim Anblick Vaders als Kinder gefühlt? 😛

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