TV-Lab – Digitales Flachbildfernsehen für die Philips-Baukästen

Ich habe lange Zeit mit mir gehadert, ob ich nicht doch noch einmal eine der Bildröhreneinheiten nachbauen sollte. Die erste mit der DG7/32 habe ich seinerzeit besessen und bis zum TV ausgebaut, also hatte ich mir die zweite aus dem 6105-TV-Lab ausersehen. Die Bildröhre D5-100 war genau wie ihre grüne Schwester DG-100 allerdings nie ein sehr gängiges Modell, und als auch meine Versuche, sie aus einem alten Sinclair MTV zu extrahieren, bereits an den exorbitanten ebay-Preisen scheiterten, ersann ich eine andere, zeitgemäße Lösung, wieder einen Fernseher auf Philips-Grundplatten zu bauen.

Inzwischen hat sich die Technik mehrfach weiterentwickelt. Heute stehen folgende Punkte auf der OUT-Liste:

  • Bildröhren
  • Schwarzweiß-Fernsehen
  • terrestrisches Analog-Fernsehen (abgeschaltet)
  • Senderwahl per Drehknopf
  • 4:3-Format

Stattdessen schaut man auf Flachbildfernsehern digitales terrestrisches Fernsehen auf vielen Kanälen in Farbe und 16:9-Breitbild. Und man empfängt es per Zimmerantenne – so sollte das neuen TV-Lab denn auch arbeiten.

Allerdings vollendet diese Entscheidung einen Weg, der mit der 6105/6205-Kombination bereits vorgezeichnet wurde: Aus Modulen mit viel Schaltung drumherum (EE2007) wurde wenig Schaltung mit höher integrierter Modultechnik. Inzwischen jedoch sendet das digitale Fernsehen Datenströme in MPEG-2-Codierung, und derartige Signale lassen sich beim besten Willen nicht mehr in konventioneller Technik nachbauen. Vielmehr sind hochintegrierte Bausteine notwendig, die man aufgrund der darauf bestehenden Patente nur in 1000er-Stückzahlen bekommt und teuer bezahlen muss. Gleiches gilt für das Display – auch hier kommen hochintegrierte Bausteine zum Einsatz, die eine Ansteuerung des Displays mit vergleichsweise einfachen Signalen wie VGA oder PAL erst möglich machen.

Ich stelle im folgenden meine Lösung dar, deren Nachbau bei Bedarf sicher gelingen sollte. Der eigentliche Fernseher ist dann ganz schnell aufgebaut, aber das Teil hat deutlich mehr zu bieten.

DVB-T-Tuner

Ich entschied mich nach sehr kurzer Recherche, den DVB-T-Tuner auf Basis eines fertigen Moduls zu bauen. Dazu beschaffte ich einen Mini-Tuner, der an einen SCART-Stecker angebracht war. Über einen integrierten USB-Anschluss kann sogar eine Festplatte angeschlossen werden kann, mit der das Teil dann zum echten Videorecorder mutiert. Eine Infrarotschnittstelle ist ebenfalls an Bord.

Details zum Aufbau der Tuner-Platine finden sich hier.

TFT-Bildschirm

Die Wahl des Bildschirms fiel auf ein 4,3″-Modell, das groß genug (9,5 x 5,3cm) ist, um etwas zu erkennen. Es ist aber auch klein genug, um noch in die Front eines 6102-Pults zu passen. Es wurde aus Hongkong geliefert als „4.3 inch TFT LCD Module + Touch Panel + AV (2x) / VGA Driving Board with Remote Control“. Es enthält daher nicht nur einen AV-Eingang, an den man direkt den Ausgang des Tuner-Moduls anschließen kann, sondern sogar einen VGA-Eingang. Eine Fernbedienung erlaubt die Steuerung der Bildeinstellung ebenso wie eine Tastatur aus fünf Schaltern – sie blieb aber unberücksichtigt, da sich herausstellte, dass sie auch auf Infrarotsignale des Tuners reagiert. Ohnehin muss man nur selten am Bildschirm Einstellungen vornehmen.

Das Modul besteht aus dem LED-beleuchteten TFT-Bildschirm (480×272 Pixel) und einen Controllerplatine, die die Eingangssignale (VGA und AV) für den Bildschirm aufbereitet. Preis des ganzen: 30€.

Das Modul kann sogar höhere Auflösungen als VGA darstellen, allerdings leidet aufgrund der geringen nativen Auflösung von 480×272 Pixeln die Bildqualität darunter.

Die Platine wird zudem mit einem Touch-Panel geliefert, aber ich habe bisher keinen Weg gefunden, wie man es ansteuern kann. Üblicherweise werden solche Panels per USB angeschlossen (was hier ohnehin nicht ginge), aber selbst ein solcher Anschluss ist nicht vorhanden.

Signalplatine

Da der TFT-Bildschirm bereits alle nötige Technik mitbringt, um das Bild zu verarbeiten, bleibt der Signalplatine in dieser Hinsicht wenig zu tun. Da aber ein VGA-Eingang nun einmal auch mit an Bord war, lag nichts näher, als das altbekannte VGA-Modul auch noch mit zu integrieren, um so wieder ein Oszilloskop an Bord des Schaltpults zu haben. Die Telespiele für das VGA-Modul lassen sich damit natürlich ebenfalls aufbauen. Das eigentliche Oszilloskop und auch der Sinusgenerator sind aber nicht Teil der Signalplatine – sie sind eigenständige Module, da auf der verbleibenden schwarzen Grundplatte nun mehr Platz ist als beim Original, das sich den Platz noch mit der damaligen Bildröhreneinheit teilen musste.

Details zum Aufbau der Signalplatine finden sich hier.

Schaltpult-Design

Das Schaltpult enthält nun den TFT-Bildschirm mit seiner kompletten Beschaltung, zwei Lautsprecher (die mangels Platz im hinteren Teil der Box Platz finden und ihre Signale unter der Grundplatte abgeben), einem Poti und ein paar Schaltern (Strom-ein-Aus, Wand-ein-aus, Taster für die TFT-Einstellungen). Die Verbindungen zum Lautsprecher, zur Stromversorgung und zum Poti werden über Klemmfedern hergestellt. Alle weiteren Signal-Ein- und Ausgänge sind aus Platzgründen über eine Messerleiste (mit 5mm-Kontaktabstand) nach außen geführt.

Folgende Signale stehen an der rechten Messerleiste zur Verfügung:

  • Q1-Q8 gemäß den Ausgängen des VGA-Moduls
  • Die vier Signale für die „Wände“ links, rechts, oben und unten

Folgende Signale stehen an der linken Messerleiste zur Verfügung:

  • HSync und VSync fürs VGA-Signal
  • Die Eingänge für die drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau
  • Der zweite Lautsprecher für die Ausgabe von Stereoton

Außerdem wird der Video-Eingang als BNC-Stecker nach außen geführt. Das Kabel kann, wenn es nicht benötigt wird, unterhalb der Grundplatte gelagert werden.

Weitere Informationen zum Aufbau des Schaltpults gibts auf einer Detailseite.

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