Krieger für Afghanistan

Wer hätte zu Beginn des neuen Jahrtausend gedacht, dass es ausgerechnet ein SPD-Kanzler zusammen mit den Schwerter-zu-Pflugscharen-Grünen sein würde, der die Bundeswehr in ihren ersten Auslandseinsatz schickt? Damals, nach dem Schock, den das Attentat des 11. September 2001 verursacht hatte, waren viele der Meinung, dass wir aktiv gegen den Terror in der Welt vorgehen müssen. Es entstand Bushs Antiterror-Koalition, an der auch arabische Staaten teilnahmen. In kürzester Zeit war Afghanistan von den Taliban befreit, jener extremen Gruppe von Mujahedin, die in den Wirren in den Jahren nach dem Ende der sowjetischen Besatzung die Macht errungen hatten.

Wirklich befreit? Afghanistan ist heute ein ebenso unsicherer Ort wie 2001, daran kann auch die Anwesenheit von inzwischen mehr als 4000 deutschen Soldaten nichts ändern. Die Taliban führen einen Partisanenkrieg, der vor allem drei Ziele hat: die Einschüchterung der afghanischen Bevölkerung, die Destabilisierung der Regierung und die Erhöhung der Kriegsmüdigkeit in den westlichen Staaten.

Und ja, ich bin müde.

  • Ich mag nicht mehr mit ansehen, wie ein deutscher Verteidigungsminister sich windet, damit das Wort „Krieg“ nicht als Beschreibung der Aktionen der Bundesweher in Afghanistan benutzt wird.
  • Ich mag nicht mehr lesen, dass die von unseren Soldaten verteidigte Regierung nicht nur korrupt ist, sondern auch offensichtlich freiheitsfeindliche Gesetze macht, um religiösen Minderheiten zu dienen: „Die Frau muss ihrem Mann mindestens viermal in der Woche zur Verfügung stehen“ – ja, geht’s noch?
  • Ich mag nicht mehr lesen, dass deutsche Offiziere Befehle geben, bei denen Kollateralschäden offensichtlich sind – und das Parlament nicht einmal gefragt wurde.

Wenn selbst die Afghanen nicht für Freiheit und Demokratie zu begeistern sind, sondern sich mehrheitlich lieber für Unterdrückung und Scharia entscheiden – was wollen wir mit unseren Aktionen erreichen. Welches Deutschland wird da am Hindukusch verteidigt, Herr Struck?

Häufig wird als wichtigstes Ziel der Invasion in Afghanistan die Stabilisierung Pakistans genannt. Das mag ein gewichtiges Argument sein, denn Pakistan besitzt einerseits Zugang zu Atombomben und wird zum anderen ebenfalls durch Islamisten bedroht. Und als Stützargument wird gerne die Politik von Neville Chamberlain angeführt, der bis 1939 Nazi-Deutschland weitreichende Zugeständnisse machte und verkannte, dass allein der Krieg das Ziel der deutschen Regierung war.

Aber wiederholt sich Geschichte?

Wir werden mit Waffengewalt in Afghanistan nichts erreichen, ebenso wenig wie im Irak oder anderen muslimischen Ländern. In „Die Kunst des Krieges“ stellt Sun Tse klar, dass nur die vollständige und nachhaltige Vernichtung eines Gegners das eigene Volk vor Vernichtung bewahrt. Diese Vorgehensweise ist für unsere freiheitlichen, auf Lebenserhaltung ausgerichteten Demokratien untragbar.

Setzen wir also auf unsere eigenen Waffen: Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie, Toleranz. Und verteidigen wir sie vor Ort hier in Deutschland.

Sun Tse mahnte übrigens auch, dass der Krieg und der Kampf möglichst vermieden werden sollte, da er den Staat und das Volk ruiniert. Über diese bereits 2500 Jahre alte Weisheit sollten insbesondere die Damen und Herren Befürworter des Afghanistan-Einsatzes nachdenken.

Herzlichst,

Ihr JeanLuc7

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Ein Kommentar zu Krieger für Afghanistan

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