Neues von der Bahn

Werte Leserinnen und Leser,

die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) hat im aktuellen Tarifkonflikt nun den siebten Streik angekündigt – sechs Tage soll er dauern. Netterweise hat man ihn zwei Tage vorher angekündigt, so dass sich Bahnfahrer und Autofahrer, Industrie und Taxigewerbe, Berufspendler und Touristen, Autovermieter und Rikschafahrer und alle anderen Betroffenen rechtzeitig auf den Ausstand einstellen können.

Es bedarf keiner großen prophetischen Fähigkeiten vorauszusagen, dass dieser Streik der letzte im aktuellen Konflikt sein wird. Der GdL-Chef Weselsky verordnet uns sechs Tage lang das volle Programm – alle GdL-Lokfüher streiken. Damit besteht keine Chance einer späteren Eskalation (z.B. erst die Güterzüge, dann, wenn sich nichts aufseiten der Bahn bewegt, die Personenzüge usw.). Er hat nur noch eine einzige Karte auf der Hand: die eines unbefristeten Streiks. Und da Herr Weselsky den Streik unter anderem mit in der Verfasssung garantierten Rechten begründet, kennt er sicher auch Absatz 4, Satz 1 des Grundgesetz-Artikels 87e:

„Der Bund gewährleistet, dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz, soweit diese nicht den Schienenpersonennahverkehr betreffen, Rechnung getragen wird.“

Weselskys letzte Karte ist also nichts wert, denn ein unbefristeter Streik wäre ein Verfassungsverstoß und damit unrechtmäßig.

Auch vonseiten des Gesetzgebers ist die Stellung der GdL bedroht: dort arbeitet man an einem Gesetz zur Tarifeinheit, das in den Betrieben den Vorrang der größten Gerwerkschaft vorschreiben will – das wäre im Falle der Bahn in den meisten Fällen die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Das Gesetz wird zur Mitte des Jahres erwartet. Es ist allerdings umstritten, ob es verfassungskonform ist – Klagen dagegen werden sich allerdings mehrere Jahre hinziehen, und solange wird es wohl in Kraft bleiben.

Keine rosigen Aussichten also für Weselsky – und für uns Betroffene bleibt der Trost, dass die GdL ähnlich enden wird wie ein überflüssiger Wintereinbruch im April: nervig – aber morgen schon Schnee von gestern.

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

P.S.: Falls Sie während des Streiks gerade etwas Zeit übrig haben, sei Ihnen das neue Modelleisenbahn-Set „Weselsky Edition“ von Märklin ans Herz gelegt. Aus der Produktbeschreibung:

Neben Gleisen und Weichen im Format H0 beinhaltet der Kasten eine Elektrolokomotive samt zweier Reisezugwagen, einen Nahverkehrstriebwagen und eine schwere Diesellok mit drei Schüttgutwaggons. Das Einzigartige daran: Keiner der Züge lässt sich mit elektrischem Strom auch nur einen Millimeter vorwärtsbewegen. Das will Märklin den Kunden garantieren. Falls eine Lok doch überraschend losfahre, werde man den Kaufpreis umgehend zurückerstatten.

 

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Zwischenspiel: Kaufen Sie mit Vertrauen!

Werte Leserinnen und Leser,

kaufen Sie auch gerne bei ebay? Dann habe ich heute eine besondere Stilblüte eines aus Deutschland versendenden Unternehmens, dessen Texte offenbar von einem Mitarbeiter mit profunden deutschen Sprachkenntnissen erstellt wurden. Leseerschwerende Zusammenschreibungen habe ich netterweise bereits korrigiert, die Satzstellungen und orthographischen Fragwürdigkeiten jedoch in ihrem Urzustand belassen.

Bezahlung

 (1) Paypal ist nur akzeptabel. Paypal ist die einzige Online-Zahlungs bedeutet, dass wir verwenden.

(2) Nach dem Ende der Auktion möchten wir die Zahlung innerhalb von 3 bis 5 Tagen. Bitte helfen Sie überlegen, ob Sie das Produkt so schnell wie möglich zu kaufen. Danke.

Versand

(1) Alle Waren werden innerhalb von 48 Stunden nach Zahlungseingang aus Deutschland gesendet (Die Ware wird nicht am Samstag und Sonntag gesendet).

(2) Bitte informieren Sie uns nach dem Kauf mit der richtigen Adresse bei ebay und der Lieferadresse registriert.

(3) Der Versand dauert in der Regel etwa 3-5 Werktage. Es dauert länger während der Ferien. Bitte warten Sie geduldig. Danke.

(4) Jedes Problem über den Schreck, nur tun, fühlen Sie sich frei, uns zu kontaktieren:   xxxxx@hotmail.com (Adresse von JL7 entfernt)

Rückgaberecht

(1) 24 Monate Garantie. Kaufen Sie mit Vertrauen! Wenn Sie bei uns kaufen,bemühen wir uns, zu Ihrer Zufriedenheit zu stellen.Wenn Sie nicht vollständig mit Ihrem Kauf zufrieden sind, können wir Ihnen sofortigen Austausch oder volle Rückerstattung anbieten. Bitte schreiben Sie uns Nachrichten durch eBay zuerst.

(2) Wenn das Produkt innerhalb von 3 Monaten defekt ist, werden wir Ihnen einen Austauschteil ohne zusätzliche Kosten oder das Geld an Sie zurückstatten, wenn Sie das Produkt uns zurückgesandt haben.

(3) Wenn das Produkt außerhalb von 3 Monaten defekt ist, können Sie das Produkt auch uns zurückschicken. Wir werden ein neues an Sie senden nach Erhalt des defekten Teils. Und Sie brauchen die Versandkosten bezahlen.

 (4) Wenn Sie irgendwelche Fragen haben, verzögern Sie sich bitte nicht, uns zu kontaktieren. Wir verpflichten uns, Kunden großartiger Dienstleistung, 100% Geldrückstattung und Kundenzufriedenheit anzubieten.

Ich kann das Gesagte nur wiederholen: Kaufen Sie mit Vertrauen! Bitte helfen Sie überlegen! Und bitte warten Sie geduldig. Es dauert länger während der Ferien. Danke.

Und gegen den nach-einkauflichen Schrecken gibt’s ja noch diese vertrauenswürdige Hotmail-Adresse. Hm – warum eigentlich hotmail von Microsoft, wo man doch mit google translate offenbar so augenfällig gut zurecht kommt?

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

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Höchstspeicherfrist – der neuste Schrei aus Berlin

Werte Leserinnen und Leser,

heute haben Justiz- und Innenministerium die neuen Überwachungspläne der Bundesregierung vorgestellt. nachdem nun die meisten Bürger begriffen haben, dass die Vorratsdatenspeicherung ein Unding ist und Unschuldige verdächtigt, statt Schuldige zu liefern, hat die Regierung nun einen neuen Namen dafür: Die Höchstspeicherfrist soll es nun richten, und sie soll für maximal 10 Wochen gelten.

Am Grundproblem der VDS in Bezug auf ihre rechtliche Einordnung ändert das neue Vorhaben leider gar nichts: Eine anlasslose Überwachung der gesamten Bevölkerung verstößt nach dem Grundsatzurteil des EuGH gegen die Menschenrechte und ist damit verfassungswidrig. Man darf gespannt sein, welche juristischen Tricks die Regierung diesmal anwendet, um doch noch die Erfüllung ihrer feuchten Überwachungsträume zu erleben.

Für alle anderen gilt: Kämpft gegen diesen Unsinn. Und an die SPD-Mitglieder: Setzt endlich diesen irrlichternden Gabriel ab – Ihr landet sonst bei genau den 18%, die die FDP einstmals erreichen wollte.

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Zwischenspiel: Varoufakis und der Stinkefinger…

… eines Schaupielers! Jan Böhmermann vom neo Magazin erklärt uns, seine Redaktion habe Herrn Varoufakis einen neuen Arm verpasst – mitsamt ausgestrecktem Mittelfinger (oder wahlweise auch dem Zeigefinger). Das toppt sogar den Buntstiftlutscher Sonneborn bei Wetten dass…

Sehen Sie selbst:

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

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Die Radikalen regieren weiter

Werte Leserinnen und Leser,

Benjamin Netanyahu hat die Wahlen in Israel gewonnen. Nach den letzten Umfragen ist das überraschend, aber ohnehin hatte niemand erwartet, dass eine Regierung ohne ihn zustande kommen könnte.

Nun ist dies aber kein üblicher Wahlsieg, bei dem man ein paar Versprechen macht („Mit mir wird es keine Maut geben„) und sie dann wieder einkassiert („Am 17. Dezember um 09.30 Uhr hat die neue Abgabe guten Chancen„). Netanyahu hat uns wissen lassen, dass es mit ihm keine Zweistaatenlösung Israel/Palästina geben wird. Nebenbei hat er den Israelis auch noch erklärt, was er von immerhin 20% seines Volks hält. Er warnte am Wahltag selbst vor israelischen Arabern, die „in Scharen“ wählen gehen würden. So etwas nenn man Rassismus.

Aber es hilft nun einmal nichts: Israel ist völkerrechtswidrig Besatzer der Palästinensergebiete und baut – ebenso völkerrechtswidrig – Siedlungen in den besetzten Gebieten. Von einem Land, das technologisch im oberen Achtel der Welt angesiedelt ist und dessen Bürger Vorfahren viele hundert Jahre selbst Opfer von Verfolgung und Rassismus waren, kann man mehr erwarten als eine bloße Kampfansage an die umgebenden Staaten und ein „Weiter so“ in der Staatenfrage der Palästinenser.

Andererseits ist aber Israel auch ein Land, das sich im religiösen Extremismus seinen Nachbarn immer mehr nähert. Die letzte Regierung ist gescheitert wegen des Versuchs einer Verfassungsänderung, Israel zu einem „jüdischen Staat“ zu erklären. Mit einer Renaissance dieses Vorschlags ist nun zu rechnen. Und die am schnellsten wachsende Gruppe in Israel sind die Ultrareligiösen, deren männliche Mitglieder sich ganz und gar dem Studium heiliger Bücher widmen – nur ihre Frauen dürfen und müssen einfache Arbeiten verrichten, haben aber sonst in der Familie kaum Rechte. Den Kindern derselben Gruppe fehlt es an Bildung und Ausbildung.

Beides – der rassistische Ministerpräsident und der zunehmende Einfluss der Ultrareligiösen – sind keine Ausgangspunkte für einen irgendwie gearteten Frieden im Nahen Osten. Der jetzt von vielen Kommentatoren geforderte Kurswechsel im Westen – dort erwärmt man sich nach wie vor vor die Zweistaatenlösung – wird aber auch nicht passieren.

Es bleibt zu hoffen, dass Netanyahu und seine erwartete Rechtsaußen-Koalition in den vor ihm liegenden Regierungsjahren nicht zu viel Schaden anrichten. Man wird – ähnlich wie bei George W. Bush – hinter ihnen aufräumen müssen.

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

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