Kölner Ballade

Werte Leserinnen und Leser,

zu Silvester wurden im Rechts-Links-Dialog die Karten neu gemischt. Die Rassisten von rechts haben es ja schon immer gewusst: der Nordafrikaner ist kriminell und will nur an unsere blonden Frauen ran. Die Feministen von links haben es auch schon immer gesagt: Männer sind Schweine, immer und überall. Und von links nach rechts sind sie sich einig: Der Islam stinkt zum Himmel, wenn es um Frauenrechte geht. Und nicht nur da.

Dazwischen stehen nun wir ziemlich ratlos herum. Dass bei einer Million geflüchteter Menschen auch ein paar miese Exemplare dabei sind, haben wir uns schon gedacht. Und dass diese Exemplare nun keine Bombengürtel umgeschnallt hatten, sondern ihre Hände als Waffen einsetzten, macht es tatsächlich nicht besser. Nicht einmal die Tatsache, dass bei den Pegida-Aufmärschen allmontaglich Gewalt auch den anwesenden Journalisten widerfährt, kann davon ablenken: Hier wurde Recht gebrochen, und es scheint, als könne man nicht einmal jemanden dingfest machen, weil alle Täter in der Masse untertauchen.

Es gibt viele Gründe, Frau Merkels Politik zu kritisieren, beispielsweise wegen ihrer homophoben Auftritte im Rahmen der Diskussion rund um die gleichgeschlechtliche Ehe. Ihr Engagement im Rahmen der Bewältigung des Flüchtlingsstroms ist jedoch untadelig – sie verhält sich exakt so, wie es die Väter des Grundgesetzes und das „C“ im Namen ihrer Partei erwarten lassen. Von vielen ihrer Parteigenossen kann man das nicht sagen, und über die einstmals so stolze, freiheitsliebende SPD und ihren Rechtsüberholer-Chef schweigen wir besser ganz.

Nicht schweigen können wir aber über einen großen Teil des Volks – inzwischen lehnt eine relative Mehrheit von knapp 50% Merkels Kurs kategorisch ab und stimmt Parolen wie „Das Boot ist voll“ zu. Nach dem Silvesterknaller und dem nachfolgenden Neujahrskater sind noch weniger Menschen bereit, Merkel zu folgen und die Flüchtlinge willkommen zu heißen.

In früheren Jahren riet man den Politikern manchmal zynisch, sie mögen sich ein anderes Volk wählen, weil man ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte. Es mag aber nach den Erfahrungen der vergangenen Tage, nach 15 Monaten Pegida, nach einem kometenhaften Aufstieg der Rechtsaußen-Vertreter in der AfD und nach hunderten von Artikeln mit teilweise rassistischem Gedankengut erlaubt sein zu fragen, ob die Regierung die Intelligenz und Toleranz von Teilen ihres Volkes nicht massiv überschätzt.

Nun ist es aber eine Aufgabe der Regierung, das Volk in die eine oder andere Richtung zu schieben, auch wenn Teile sich erst einmal bockig zeigen. Die westdeutschen Debatten der 50er (Wiederaufrüstung), 60er (Studentenproteste), 70er (Entspannungspolitik) und 80er (Nato-Doppelbeschluss) waren Aufreger, die die Bevölkerung in Lager aufteilten und Streit bis ins Parlament trugen. Die CDU der 70er war nahe daran, einen Staatsstreich zu versuchen, um Willy Brandts Ostpolitik zu verhindern. An Ostern 1983 standen mehr als eine halbe Million Menschen in einer Kette, um für den Frieden und gegen Pershing und Cruise Missile zu demonstrieren – ganz ohne Verabredung auf facebook.

Die aktuelle Situation ist mit den genannten Beispielen durchaus vergleichbar (und nicht etwa mit den Naziaufmärschen in der Weimarer Republik ab 1931) – mit einem Unterschied: den Flüchtlingszustrom kann die Regierung allein nicht beherrschen, sie braucht das Volk dazu, das die Neuankömmlinge begrüßt, aufnimmt und sich um sie kümmert.

Wenn die Hälfte dieses Volkes offen die Opposition erklärt, droht die Integration jedoch zu scheitern, wie man aktuell beim Berliner Lageso recht gut erkennen kann. Wer seit Wochen pro Tag 100 Anträge bearbeiten kann, aber jeden Tag 1000 Menschen einlädt, die dann in der Kälte ganztägig warten müssen, ist nicht dumm, sondern ein Saboteur.

Nun also schärfere Gesetze, eine Residenz- und Integrationspflicht. Gerade letztere sollte allerdings auch einmal den Pegidisten und all ihren Anhängern und Fans zugute kommen. Denn was in Dresden. Leipzig und anderen (nicht nur sächsischen) Städten inzwischen geschieht, wirft die Frage auf, wieso zwar Flüchtlinge die deutsche Verfassung achten sollen, viele Deutsche selbst aber darauf scheißen dürfen (sorry, aber so ist es nun mal). Da ist es nicht mehr mit der Frage getan, welche Kinderstube diese Leute denn genossen haben. Es stellt sich manchmal auch die Frage nach dem Geisteszustand, etwa wenn Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling auf Sarah Palin macht und auf der Pegida-Bühne brüllt:

„Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln!“

Zum Glück ist eine Mehrheit der Bürger sehr wohl klar bei Verstand und folgt keinen unsinnigen Aufrufen zu Gewalttaten. Leider wird aber die Minderheit, die dazu bereit ist, von Tag zu Tag größer. Es bedarf keines Winks mit dem Zaunpfahl, welche der beiden Gruppen für unsere Gesellschaft die größere Gefahr darstellt: die vergewaltigenden Nordafrikaner-Taschendiebe oder die Montagshetzer und ihre Fans am Rechtsaußenrand von CDU/CSU (und auch der SPD, leider).

Es grüßt herzlich auch im neuen Jahr

JL7

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Mit dem Dreiviertelkopf durch die Wand

Werte Leserinnen und Leser,

Sigmar Gabriel ist bei den Genosssen nun amtlich der unbeliebteste Parteichef seit ihrer Gründung. Sieht man einmal von der Kampfkandidatur Lafontaines gegen Scharping ab, bekam nie ein Parteichef weniger Stimmen als Gabriel bei seinem Parteitag in dieser Woche. Man könnte annehmen, der Mann würde nun seinen neoliberalen Kurs, mit dem er die SPD inzwischen rechts an der CDU vorbei in eine beglückende „Mitte“ führen will, infrage stellen. Aber Siggi antwortete seinen Genossen trotzig:

Jetzt ist mit Dreiviertelmehrheit dieser Partei entschieden, wo es lang geht, und so machen wir es jetzt auch und deshalb nehm‘ ich auch die Wahl an, liebe Genossinnen und Genossen!

Wenn der eine oder andere Genosse gewusst hätte, dass die Parteichef-Wahl in Wirklichkeit eine Richtungsentscheidung war – pro TTIP, pro Vorratsdatenspeicherung, pro Einschränkung der Bürgerrechte, pro Panzer für Saudi-Arabien – dann hätte er wohl mit seinem „Ja“ auf dem Stimmzettel noch länger gehadert. Aber auch ohne dieses Wissen waren immerhin 25% der Delegierten nicht bereit, ihren Parteichef zu stützen beim fortgesetzten Verrat an sozialdemokratischen Idealen.

Nun sind weitere Gabriel-Führungsjahre sicher nicht der Untergang der Sozialdemokratie. Solange gut 20% der Bevölkerung genetisch SPD wählen, wird die Partei eine Rolle spielen. Um aus dem 20%-Turm herauszukommen, genügt es aber nicht, in der sogenannten Mitte zu wildern. Die ist nämlich inzwischen erstaunlich entvölkert: Links tummeln sich mit der „Linken“ und den Grünen zwei Parteien mit zusammen 20% der Stimmen, und die 15% am rechten Rand wählen lieber den Teufel, als für Gabriel zu stimmen, auch wenn er noch dreimal zu PEGIDA rennt. Die übrigen 35%, die genetisch die CDU wählen, obwohl die höchstens einem Fünftel davon wirklich nutzt, kann Gabriel ebenfalls vergessen.

Das SPD-Wählerpotenzial liegt links – das zeigen auch die Wahlen in anderen europäischen Ländern, wo die Bürger irgendwann genug von der EU-verordneten Austeritätspolitik haben und dann Syriza, Podemos und CDU (Coligação Democrática Unitária, das sind die portugiesischen Sozialisten) wählen. In England wurde Jeremy Corbyn zum Chef der Labour Party, ein erklärter Linker, dessen Zielpublikum definitiv nicht die Spekulanten der Londoner Innenstadt sind.

Und es gäbe auch noch die Nichtwähler – jene 40%-Gruppe, die heuer daheim bleibt, weil sie keine Ahnung hat, wen sie noch wählen sollte, denn ob CDU- oder SPD-geführt – jede Regierung seit 1982 hat nie in ihrem Sinne entschieden. Die SPD hat seit 1998 10 Millionen Wähler unter anderem an diese Gruppe verloren. Damals wurde Schröder Kanzler und erhielt 40,9% der Stimmen.

Aber nun führt Gabriel seinen neoliberalen Kurs eben mit einer 75%-Mehrheit weiter und glaubt, diese 75% würden seinen Kurs stützen. Wenn er sich da mal nicht täuscht…

Es grüßt herzlich

Ihr JeanLuc7

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Rechts wäre noch Platz…

Werte Leserinnen und Leser,

nach wie vor hat Sigmar Gabriel nicht verstanden, dass seine Tätigkeit als Parteivorsitzender und gute Wahlergebnisse für seine SPD nicht gleichbedeutend sind mit dem Wohle eines freiheitlich-demokratischen Staates. Und nun hat er zu allem Überfluss auch noch die innere Sicherheit als „zutiefst sozialdemokratisches Thema“ erkannt und schickt sich wiederholt an, die CSU rechts zu überholen, da er links von ihr keinen Platz erkennen kann.

Nun, staatstragend war die SPD ja schon immer, wenn es gegen die Bürgerrechte ging. Lassen wir mal die 1914er Kriegskredite außen vor, aber die 68er Notstandsgesetze, der 72er Radikalenerlass und die 76er Rasterfahndung gehen allesamt auf das Konto von SPD-Innenministern. Und seit 2001 ist im Inneren wahrlich der Teufel los: Schilys Anti-Terror-Gesetze von 2001 (Rot-Grün) wurden dieser Tage erneut für fünf Jahre verlängert, die erste Vorratsdatenspeicherung 2007 und das BKA-Gesetz 2008 sind Werke der Großen Koalition. Gabriels unrühmliche Rolle bei der zweiten Vorratsdatenspeicherung ist sicher noch allen Lesern präsent.

Und nun fordern und fordern sie wegen der Bedrohung Europas durch islamistische Durchgeknallte. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, forderte deutlich schärferen Maßnahmen für die Sicherheitsbehörden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV, ein Geheimdienst) soll Polizeibefugnisse erhalten. Die Verfassungsschützer sollen „ohne unnötigen bürokratischen Aufwand und langwierigen Vorlauf“  Gefährder oder Treffpunkte von Extremisten mit Drohnen aus der Luft beobachten dürfen. Islamisten kann es verboten werden, sich sensiblen Orten wie Weihnachtsmärkten, Fußballstadien oder anderen Großveranstaltungen zu nähern. Auch soll die Kommunikation möglicher Attentäter unterbrochen werden kann, indem man beispielsweise für eine bestimmte Zeit die Nutzung von Mobiltelefonen verbietet.

Und damit das ganze nicht mit der Religionsfreiheit kollidiert, müssen natürlich entsprechende Gesetze sehr weit gefasst werden – das Wort „Islamist“ wird man später nicht mehr finden, allenfalls wird von „Gefährdern“ die Rede sein. Und schon haben wir wieder ein schönes Gesetz, das der oberste Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen auf andere Gefährder der Staatssicherheit anwenden kann, nämlich auf unliebsame Whistleblower und Kämpfer für eine wirklich freie Gesellschaft, die gegen Massenüberwachung und Bürgerrechtseinschränkungen eintritt.

Wir wissen nicht, wer die Gefährder von morgen sind und gegen wen derart halbgare Vorschläge sich übermorgen richten werden. Angesichts der letzten Wahlergebnisse wissen wir auch nicht, ob nicht doch irgendwann eine Regierung aus CDU/CSU und AfD dieses Land leitet. Mehrheit ist eben Mehrheit, nicht wahr? Wenn also nun wirklich Gefahren von Islamisten ausgehen sollte, dann, liebe SPD, benennt sie auch so – Religionsfreiheit hin oder her. Überwacht die Durchgeknallten, aber doch nicht Eure eigenen Bürger!

Leider habe ich wenig Hoffnung, dass die SPD noch einmal zu einem vernünftigen, angemessenen Verhalten in Sachen innerer Sicherheit zurückkehren wird. Gabriel hat das Thema als Wahlschlager erkannt und wird sich als fetter starker Mann feiern lassen. Dazu passt eine liberale, freiheitliche Gesinnung nicht, das Volk braucht eine starke Hand.

Ich denke, das Volk braucht vor allem in der Wahlkabine eine starke Hand, um solche Verrücktheiten zu bestrafen. Eine Partei, die gegründet wurde, um für die Rechte der Arbeiter (also des bis dahin unvertretenen Teils der Bevölkerung) zu kämpfen, sollte niemals am rechten Rand fischen und Gesetze machen, die sich gegen die Bürger richten (und auch nicht TTIP befürworten…). Oder aber sie sollte bei den nächsten Wahlen einen weiteren Denkzettel erhalten.

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

 

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Religionsfreiheit – bis hierher und nicht weiter

Werte Leserinnen und Leser,

nach den Anschlägen von Frankreich sind sie wieder alle zu hören: die Integratoren, die davor warnen, die Terrorattentate und die Flüchtlingszuwanderung in einen Topf zu werfen. Die Law-and-Order-Leute von rechts und außen, die nun mehr Personal für den BND und eine Erweiterung der Vorratsdatenspeicherung fordern. Die Verständnisvollen, für die Frankreich nun überall ist und die insgeheim froh sind, dass sich daraus keine Konsequenzen ergeben. Die Mutlosen, die schon immer gewusst haben, dass unsere Freiheit unser Untergang sein wird.

Doch keiner spricht aus, was allzu offensichtlich ist: diese (und frühere) Attentate wurden im Namen der Religion geführt. Der Islam ist sicher keine in sich gewaltbereite Religion – dann sähe es auf der Welt noch ganz anders aus. Dem Christentum wiederum wurde die Gewalt gewaltsam eingeschränkt, so dass es heute das Tarnmäntelchen einer beinahe friedensliebenden Vereinigung tragen darf.

Und es sind ja auch nicht die Massen, die uns Sorgen bereiten – wohl aber die Durchgeknallten, die ihre Religion zu wichtig nehmen – wichtiger als staatliche Gesetze oder gar Menschenrechte. Extremisten findet man in allen Religionen. Die verrückten Christen, die 3000 Jahre alte Texte wörtlich nehmen und deshalb beispielsweise Kinder schlagen und Schwule diskriminieren oder sogar mit Gewalt bedrohen, gehören in genau dieselbe Ecke wie jene, die sich für das Versprechen von 70 Jungfrauen einen Bombengürtel umschnallen, um möglichst viele „Ungläubige“ zu töten.

Und genau hier muss ein Umdenken einsetzen. Denn Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, beruht aber auf derselben Erwartung wie Toleranz: „Ich achte deinen Glauben in der Hoffnung, dass Du meinen achtest“. Die Extremisten brechen jedoch mit dieser Erwartung. Wer aber Religionsfreiheit anderen nicht gewährt, hat sie selbst auch nicht verdient. Und wir sollten dann darauf verzichten, weiterhin die guten Menschen zu geben und statt dessen einmal am konkreten Beispiel das tun, was wir gerade 80 Millionen Bürgern bei der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung androhen: stellt diese Menschen unter extreme Überwachung! Kontrolliert und sanktioniert sie, wo immer es das Gesetz erlaubt.

  • Dazu gehören christliche Extremisten, für die die Welt 6000 Jahre alt ist und die ihren Kindern eine Menge naturwissenschaftlicher Lügen beibringen. Warum gilt das eigentlich noch immer nicht als Kindesmissbrauch?
  • Dazu gehören die etwa 7000 Salafisten, die ohne Bedenken frauenfeindlich agieren und unsere freiheitliche Demokratie gegen einen Gottesstaat eintauschen wollen.
  • Dazu gehören die Einpeitscher, die Otto Normalreligionus ständig erklären, wann er in seinen religiösen Gefühlen verletzt zu sein hat. Sie sind mitschuldig an Attentate wie das auf die Charlie-Hebdo-Redaktion.
  • Dazu gehören auch die oberen Vertreter der Kirchen, des Zentralrats der Juden und der muslimischen Gemeinden, die als moralische Vordenker in der Öffentlichkeit auftreten und uns immer wieder zu Ptolemäischen Epizyklen überreden, um beispielsweise Beschneidungen von Säuglingen und Jungen, Schwulen- und Frauendiskrimierung in die Neuzeit zu retten.

Nochmal im Klartext: Schränkt die Religionsfreiheit ein! Hört auf, jede noch so absurde Verballhornung der Gottesverehrung mit Artikel 4GG zu entschuldigen! Das Grundgesetz hat viele weitere Artikel, und der erste davon spricht uns eine unantastbare Menschenwürde zu. Wer diese Würde aber anderen abspricht, dem sollte sie zumindest in Bezug auf seine Religionsfreiheit selbst nur eingeschränkt zuteil werden.

Macht Religion endlich zur Privatsache! Wer dazu etwas sagen möchte, soll bitteschön dazu nicht in die Öffentlichkeit treten. Lasst uns endlich einmal klare Kante beziehen, damit die gewaltfreien Oberspinner nicht mehr den Boden für ihre gewalttätigen Jünger bereiten können.

Wenn uns heute jemand erklärt, er habe seinen Gott gesehen oder gar gesprochen, lassen wir seinen Geisteszustand untersuchen. Das ist ein guter Anfang. Wir sollten diese Vorgehensweise ausdehnen auf alle, die glauben, sie müssten ihres Gottes Wort an uns verrichten.

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

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Die Grenzen der Toleranz

Werte Leserinnen und Leser.

offenbar befinden wir uns in den spannendsten Zeiten seit dem Fall der Mauer 1989 und der Eingemeindung der DDR. Eine Million Flüchtlinge werden zu versorgen und zu integrieren sein – und halb Europa revoltiert, weil es den eigenen Reichtum gefährdet sieht. Es war ja auch zu schön: wir sonnen uns in unseren hohen Standards für Leben, Recht und Ordnung, fürchten weder Krieg noch Hunger, sitzen im Winter in warmen Wohnungen oder Autos mit Sitzheizung, können im Supermarkt aus einem riesigen Angebot auswählen – und mäkeln, wenn etwas nicht ganz so schmeckt oder funktioniert, wie erwartet.

Und nun bringt sich die Welt auf einmal stärker in Erinnerung als nur alle paar Stunden per Tagesschau oder Spiegel Online. In Syrien herrscht Krieg, und plötzlich kommen all diese Leute aus den zerbombten syrischen Städten, weil hier Frieden ist und ihnen keine Bomben mehr auf den Kopf fallen. Was fällt denen ein? Können die nicht einfach aufs Land ziehen? Oder wenigstens in Griechenland und den Balkanstaaten bleiben, durch die sie bei der Flucht ja hindurch müssen. Und die ganzen Afghanen – denen haben wir doch nun so lange am Hindukusch geholfen, und jetzt wollen sie mit uns von dort abziehen, weil sie Angst haben, von den erstarkenden Taliban als Kollaborateure hingerichtet zu werden. So war das alles nicht vorgesehen.

Tja, liebe Leute, nun ist es aber so. Alle Diskussionen um grenznahe Transit- oder Haftlager, um Grenzschließungen und – besonders perfide – Hinweise darauf, dass die Flüchtlinge gar nicht rechtens einreisen, weil sie ja bereits aus „sicheren Drittstaaten“ kommen, helfen uns nicht weiter. Selbst wenn wir durch Kürzung der Leistungen ein paar Flüchtlinge davon abhalten, nach Deutschland zu kommen, ändert das nichts am Gros der Lage. Sie sind da, und sie werden so schnell nicht in ihre Heimat zurückkehren, wenn überhaupt. Um es noch einmal zu sagen: Dort herrscht Krieg, sogar ein tückischer mit mindestens drei Fronten, in den jetzt auch noch die Russen involviert sind (und wieder einmal die falsche Seite unterstützen).

Statt weiter Öl ins Feuer der Intoleranten zu gießen und – wie CSU-Seehofer, sein Adlatus Söder und viele aus der CSU und auch der CDU – die Vorurteile von rechts (NPD, Pegida, AfD, …) zu befeuern, ist konstruktive Arbeit nötig. Das ist bekanntermaßen nicht gerade das Paradepferd der CSU (Ausländermaut, Hotelsteuer, Betreuungsgeld…), aber in der Regierung sitzen durchaus noch fähige Köpfe, die dazu in der Lage sind – und sie haben bisher erstaunlicherweise trotz fallender Umfragen die Unterstützung der Kanzlerin.

Was aber sind konstruktive Arbeiten? Mir fallen da auf Anhieb eine Menge ein:

  • Winterfeste Quartiere – wohl die dringlichste Aufgabe, denn nicht einmal Söder würde lügen, wenn er behauptete, der Winter stehe vor der Tür. Ja, der deutsche Sport oder andere Großveranstalter werden darunter leiden müssen, dass ihre Hallen plötzlich dauerbelegt sind. Aber wer wird uns verzeihen, wenn wir Flüchtlinge erfrieren lassen?
  • Deutschkurse – und zwar verpflichtend für alle. Wir sollten auch daran denken, dass die Flüchtlinge mitnichten aus wirtschaftlichen Gründen kommen – es sind viele gut ausgebildete und vormals wohlhabende Syrer dabei. Ohne Deutsch kommen sie aber nicht weiter.
  • Integrationskurse – mit dem Schwerpunkt darauf, dass wir in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat leben, in dem viele Meinungen willkommen sind, Gewalt aber ausschließlich von der Polizei ausgeübt wird und Streitigkeiten vor Gericht geregelt werden können. Korrupte Regierungen und Selbstjustiz haben die Flüchtlinge hinter sich gelassen – das müssen viele aber erst noch begreifen. Auf den Lehrplan gehört auch Toleranz gegenüber Anderen – selbst wenn man aus gläubischen oder politischen Gründen mit den Anderen nicht konform geht.
  • Wohnungsbau und -requirierung – die ersten Neoliberalen aus dem konservativen Lager haben uns schon früh erklärt, dass ihr Privateigentum heilig sei. Aber Ausnahmesituationen wie die jetzige erfordern eben auch Ausnahmemaßnahmen. Gerade die besitzende Klasse sollte früh kapieren, dass es diesmal auch an ihre Reichtümer gehen wird. Und die Wirtschaftsfreunde in der Regierung müssen kapieren, dass sie diese Klasse diesmal nicht aussparen dürfen wie bei der Finanzkrise 2008. Wenn Wohnraum fehlt, dürfen Leerstände und Hochpreisvermietungen kein Spielball von Investoren sein. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. (Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes)
  • Klare Kante gegenüber Nazis und anderen Brandstiftern. Kann es wirklich sein, dass Brandanschläge immer von „Unbekannten“ verübt werden. Ist es wirklich nicht möglich, diese Leute dingfest zu machen oder gar auf frischer Tat zu ertappen? Im Zeitalter von Videoüberwachung und Funkzellenortung klingt das eher wie Fahrlässigkeit. Unsere Gesetze reichen aus, diese Verbrecher für längere Zeit aus dem Verkehr zu ziehen – sofern wir sie dingfest machen.

Und dann wäre da noch die Bevölkerungsmehrheit, die – durchaus verständlich – ihren Wohlstand gern selbst genießen und vor allem nicht teilen will. Das war schon nach dem zweiten Weltkrieg so, als immerhin 12 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten in den Westen flüchteten. Manchem wird nicht zu verdeutlichen sein, dass es unsere „verdammte Pflicht“ ist, diesen Menschen zu helfen – dem überwiegenden Teil dieser Mehrheit kann man  es aber nahe bringen. Dazu gehört, sie in die Hilfe einzubinden und ihnen die Maßnahmen zu verdeutlichen, die man für eine Integration treffen will. Hetzer wie Seehofer und Söder aber verstärken nur die Ressentiments. Mit billigen Scheinlösungen wie der Schließung der Grenzen erreichen sie möglicherweise Beifall bei dieser Mehrheit – aber sie sollten sich schämen, der Intoleranz nach dem Maul zu reden. Wenn wir die deutschen Grenzen schließen, führt das zu einem Dominoeffekt – aber Frau Merkel hat leider völlig recht: es führt auch zu kriegerischen Zuständen in den Zustromländer des Balkans. Man sollte sich daran erinnern, dass die Menschen dort vor nicht allzu langer Zeit die Waffen noch aufeinander gerichtet haben – die Schwelle, auf Dritte zu schießen, dürfte nicht sehr hoch sein. Wenn dort wegen geschlossener Grenzen die ersten Schüsse fallen sollten, sitzen auch Brandstifter in der bayerischen und sächsischen Regierung.

Daher, liebe Politiker: lasst die Grenzen offen. Helft mit, die Konflikte in Syrien und Libyen zu beenden – dann versiegt auch der Flüchtlingsstrom. Und nutzt Eure Macht, um etwas zu bewegen in Deutschland, und zwar die Herzen der Menschen und nicht etwa Stacheldrahtrollen. Und liebe Mitbürger: Packt mit an, wo immer ihr könnt. Bangemachen gilt nicht.

Es grüßt herzlich

Ihr JL7

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